Rund 300 Gäste feiern im MODEON das Doppeljubiläum – Festakt verbindet Rückblick und Zukunft mit nachdenklichen Momenten, Musik und viel Humor
Mit einem unterhaltsamen Festakt im MODEON in Marktoberdorf haben der Hospizverein Kaufbeuren/Ostallgäu e.V. und die SAPV Kaufbeuren-Ostallgäu gGmbH vor wenigen Tagen ihr Doppeljubiläum gefeiert. Anlass waren das 30-jährige Bestehen des Hospizvereins und zehn Jahre SAPV Kaufbeuren-Ostallgäu. Die Feier nahm die Entwicklung der Hospiz- und Palliativarbeit in der Region ebenso in den Blick wie die Menschen, die sie seit vielen Jahren tragen. Musik, persönliche Worte und viel Humor sorgten dabei für eine gelungene Verbindung von Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit.
Moderator Thorsten Friedrich führte durch das Programm und erinnerte gleich zu Beginn daran, dass Hospizarbeit nicht nur mit den ernsten Seiten des Lebens verbunden ist. Sie bedeute auch gemeinsame Zeit, Erinnerungen, Gespräche und Lachen. Im Mittelpunkt stehe immer der einzelne Mensch mit seinen Wünschen, seiner Würde und seinen Angehörigen. Damit griff der Festakt zugleich den Leitgedanken des gesamten Jubiläumsjahres auf: „Niemand will einsam leben. Warum sollten wir dann so sterben?“
Von den Anfängen bis zu einem starken Netzwerk
Auch die Vertreter aus Stadt und Landkreis machten in ihren Grußworten deutlich, welche Bedeutung die Hospiz- und Palliativarbeit für die Region hat.
Andreas Grieser, Zweiter Bürgermeister der Stadt Marktoberdorf, richtete den Blick auf die Menschen, die diese Arbeit tragen. Er würdigte die Vereinsmitglieder, Gründungsmitglieder und hauptamtlichen Mitarbeitenden sowie insbesondere die ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter. „Ohne sie wäre eine würdevolle Hospizbegleitung nicht möglich“, betonte Grieser.
Der stellvertretende Landrat Dr. Alois Kling erinnerte an die Anfänge Mitte der 1990er-Jahre. Aus dem Anliegen, die Situation schwerstkranker und sterbender Menschen zu verbessern, entstand eine Initiative, die schließlich am 25. September 1996 – auf den Tag genau 30 Jahre vor dem Festakt – zur Gründung des Hospizvereins führte. 2016 nahm die SAPV Kaufbeuren-Ostallgäu ihre Arbeit auf. Der Weg dorthin habe Beharrlichkeit, viel ehrenamtliches Engagement und die Unterstützung zahlreicher Menschen und Institutionen erfordert. „Aus einer Idee ist so im Laufe der Zeit ein tragfähiges Netz der Mitmenschlichkeit geworden“, fasste Kling die Entwicklung zusammen.
Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse verband seine Würdigung mit einem persönlichen Blick auf die Hospizarbeit. Für ihn sei es sehr wichtig gewesen, seine Eltern auf ihrem letzten Weg begleiten zu können. Bei seinem Vater habe er zudem erlebt, wie aus anfänglicher Zurückhaltung gegenüber der Hospizbegleitung schließlich der Wunsch nach einer intensiveren Betreuung wurde.
Zugleich zeigte Bosse anhand von Zahlen, welche Dimension die Arbeit inzwischen erreicht hat: Fast 500 Mitglieder gehören dem Hospizverein an, 110 ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter sind in der Region im Einsatz. Durchschnittlich werden rund 150 Menschen pro Jahr durch den Hospizverein begleitet. Auch die SAPV nahm Bosse in den Blick: Sie versorgt inzwischen jährlich etwa 350 Patientinnen und Patienten und ist seit ihrer Gründung personell deutlich gewachsen.
Bosse hob zudem die unkomplizierte Erreichbarkeit des Hospizvereins hervor. Ein Anruf genüge, eine Verordnung sei nicht erforderlich und für Angehörige oder Pflegeheime entstünden keine Kosten. Dass die telefonische Erreichbarkeit auch am Wochenende gewährleistet sei, sei besonders wichtig, „weil der Tod eben kein Wochenende und keine Uhrzeit kennt“.
Feistl und Schuster im Gespräch
Kurzweilig wurde es auch beim Gespräch von Moderator Thorsten Friedrich mit Michael Feistl, dem 1. Vorsitzenden des Hospizvereins, und Dr. Theresa Schuster, Geschäftsführerin der SAPV Kaufbeuren-Ostallgäu. In lockerer Atmosphäre ging es um Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte, die heutige Arbeit und die Herausforderungen für die Zukunft.
Feistl verwies dabei auf gesellschaftliche Veränderungen. Immer mehr Menschen lebten allein, Familien seien räumlich weiter voneinander entfernt und Angehörige könnten nicht immer vor Ort sein. Gerade deshalb brauche es den Hospizgedanken und verlässliche Strukturen für die Begleitung am Lebensende.
Schuster schilderte, wie sich die SAPV in ihren ersten zehn Jahren entwickelt hat. Dabei gehe es nicht allein um medizinische und pflegerische Versorgung. Ein wesentlicher Teil der Arbeit bestehe darin, schwerstkranken Menschen und ihren Angehörigen Sicherheit und Unterstützung in einer belastenden Lebenssituation zu geben.
Für die Zukunft wurde im Gespräch ein Wunsch besonders deutlich: Betroffene möglichst früher zu erreichen. Häufig komme der Kontakt erst sehr spät zustande. Mehr Vorlauf bedeute auch mehr Zeit für Gespräche, Vorbereitung und Begleitung. Gleichzeitig gelte es, das gewachsene Miteinander im Verein und im SAPV-Team zu bewahren und weiterhin gut aufeinander zu achten.
Auch der Humor kam nicht zu kurz. Feistl machte deutlich, dass Lachen und Hospizarbeit keineswegs Gegensätze seien. Gerade in der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen könne Humor Ängste nehmen und wertvolle gemeinsame Augenblicke schaffen.
Humor, Musik und nachdenkliche Töne
Für viele Lacher sorgte der bayernweit erfolgreiche Kabarettist und Imitator Wolfgang Krebs aus Kaufbeuren. In seinen bekannten Rollen als Markus Söder, Hubert Aiwanger und Edmund Stoiber begeisterte er das Publikum. Auf eine Gage für seinen Auftritt verzichtete Krebs und unterstützte damit zugleich die Arbeit von Hospizverein und SAPV. Dabei nutze er seinen Auftritt nicht nur für seine bekannt pointierte Unterhaltung. Immer wieder schlug er den Bogen zur Hospizarbeit und zum Wert menschlicher Nähe.
Krebs bezog dabei ausdrücklich auch die Angehörigen ein. Eine schwere Erkrankung betreffe nicht nur einen Menschen, sondern verändere häufig das gesamte familiäre Gefüge. Entscheidend sei am Ende nicht allein, wie viele Jahre eine Organisation bestehe, sondern was sie für die Menschen bewirkt habe: „Ich werde gesehen, ich werde ernst genommen, ich darf selbst bestimmen und ich bin nicht allein.“ Auch den Humor verband Krebs mit einem nachdenklichen Gedanken: „Humor löst nicht jedes Problem, aber er nimmt der Angstmacherei die größte Waffe.“
Die Vivid Curls gaben dem Festakt mit ihren musikalischen Beiträgen einen stimmungsvollen Rahmen vom Auftakt bis zum musikalischen Ausklang. Mit ihrem gekonnten zweistimmigen Gesang und einfühlsamen Texten fanden die beiden in der Region bekannten Musikerinnen immer wieder den passenden Ton zwischen Nachdenklichkeit, Zuversicht und Lebensfreude.
Überraschung für den Vorstand
Für einen besonders persönlichen Moment sorgten die Mitarbeiterinnen des Hospizvereins. Mit einem selbst produzierten Video überraschten sie den Vorstand und beschrieben darin, was sie an ihrer Arbeit und dem Miteinander im Hospizverein schätzen. Anschließend wurden die Vorstandsmitglieder auf die Bühne gebeten. Mit Sonnenblumen und persönlichen Worten bedankten sich die Mitarbeitenden für die Unterstützung und die angenehme Zusammenarbeit.
Dank und Blick nach vorne
Michael Feistl erinnerte in seinem Schlusswort an die vielen Menschen, die lange vor dem heutigen Vorstand den Hospizverein und später die SAPV aufgebaut und auch gegen Widerstände vorangebracht hatten. Er würdigte die Ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitenden ebenso wie Kooperations- und Netzwerkpartner, Mitglieder, Förderer und weitere Wegbegleiter. Was die Arbeit seit drei Jahrzehnten prägt, fasst Feistl in einem Satz aus der Gründungsphase des Hospizvereins zusammen: „Seit dem Jahr 1996 ist es unser Ziel, schwerstkranken Menschen und ihren Angehörigen Zeit, Zuwendung und Begleitung zu schenken – damit ein Leben bis zuletzt in Würde möglich ist.“
Zugleich richtete der 1. Vorsitzende den Blick nach vorne. Ziel bleibe, den Hospizgedanken weiter in die Stadt Kaufbeuren und den Landkreis Ostallgäu zu tragen und die Begleitung und Versorgung so weiterzuentwickeln, dass Menschen möglichst in ihrer vertrauten Umgebung und im Kreis ihrer Angehörigen bleiben können.
Nach dem offiziellen Programm ging die Feier im Foyer weiter. Bei Imbiss und Getränken nutzten viele Gäste die Gelegenheit zum persönlichen Austausch und blieben noch lange zusammen. Damit erfüllte sich auch ein Anliegen, das Hospizverein und SAPV mit ihrem Festakt verbunden hatten: gemeinsam zurückblicken, Danke sagen, nach vorne schauen und vor allem miteinander ins Gespräch kommen. Die vielen positiven Rückmeldungen der Gäste machten deutlich, dass der Festakt als würdige Hauptveranstaltung des Jubiläumsjahres in Erinnerung bleiben wird.
Weitere Informationen zum Jubiläumsprogramm: www.hospizverein-kf-oal.de