Viele interessierte Zuhörer bei "Syriens gordischer Knoten"

Nahost-Experte Andreas Zumach referierte im Haus St. Martin zur schwierigen politischen Lage in Syrien. Projektwochen "Syrische Realitäten" gehen am Montag mit "Fluchtgeschichten" zu Ende

Bildquelle: Kulturring Kaufbeuren e.V.
Bildquelle: Kulturring Kaufbeuren e.V.

Zu einer außergewöhnlichen Veranstaltung hatten der Kulturring Kaufbeuren, das Bündnis für Flüchtlinge und der Arbeitskreis Asyl - erstmals in Zusammenarbeit in einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe zum Thema Syrien – eingeladen, und mehr als 80 Interessierte waren in das Haus St.Martin gekommen. Am Sonntag Abend, ein Termin, der eher dem Tatort als einer Kulturveranstaltung gewidmet ist, referierte der bekannte Journalist Andreas Zumach, der bei den Vereinten Nationen in Genf akkreditiert ist und als ausgewiesener Nahost-Experte gilt. “Syriens gordischer Knoten“ war sein Thema, die schwierige politische Lage in Syrien, die seit acht Jahren nicht gelöst werden konnte, trotz vieler Initiativen und zahlreicher Verhandlungsversuche.

Ausgehend von den Entwicklungsblockaden durch die Zeit der Kolonialisierung und der teilweise willkürlichen Grenzziehungen nach dem ersten und zweiten Weltkrieg kam es 2010 zum Arabischen Frühling, in dem sich der Wunsch v.a. der jungen Generation nach mehr Demokratie und gerechteren wirtschaftlichen wie sozialen Verhältnissen Gehör verschaffte. In Syrien wurde schnell aus friedlichen Protesten ein bewaffneter Konflikt, bei dem verschiedene innenpolitische Strömungen und machtvolle äußere Akteure aufeinanderstießen.

Hoch interessant waren die Hintergrundinformationen, die Zumach über die diversen scheiternden Waffenstillstandsabkommen gab. Immer wieder wurde deutlich, dass Waffenlieferungen, geostrategische Interessen und regionale Interessen der Anrainerstaaten Verhandlungen und Gespräche zwischen den syrischen Konfliktparteien behinderten, also den „goerdischen Knoten“ immer wieder festzurrten.

> weitere Veranstaltungen in Kaufbeuren finden Sie im Veranstaltungskalender der Stadt Kaufbeuren hier im Stadtportal

Der Referent bezog eindeutig Stellung, dass nur mit einem Verzicht aller ausländischen Akteure auf Durchsetzung ihrer eigenen Interessen es zu einem Friedensprozess in Syrien kommen könne. Dieser sei, trotz der derzeitigen Meldungen vom Sieg über den sogenannten Islamischen Staat, noch in weiter Ferne, da zu befürchten sei, dass der IS seine Strategie ändern werde und, wie in Afghanistan, zu Terrormethoden greifen werde. Außerdem verschärften sich z.B. die Konflikte um die von Kurden bewohnten Gebiete, was zu weiteren militärischen Auseinandersetzungen führen könne.

Darüber hinaus seien die Verwerfungen innerhalb der syrischen Gesellschaft gravierend. Aus einem Staat, in dem Juden, Muslime und Christen friedlich zusammen lebten, habe sich ein Krieg entwickelt, der das Land und die Menschen zerreiße. Syrien werde noch viele Jahre ein unsicherer Staat bleiben, in den Flüchtlinge nicht zurück geschickt werden können. Gleichwohl berichtete Zumach von vielen Syrern, mit denen er in Flüchtlingslagern in Jordanien und Libanon gesprochen hatte. „Kein Einziger wollte dort bleiben, alle berichteten mit großem Stolz, dass sie, sobald es in Syrien Frieden geben werde, wieder in ihr Land zurück kehren werden.“

Gegen Ende des Vortrags waren im Hintergrund Klappergeräusche von Geschirr zu hören, und es begann verführerisch nach Essen zu duften: Syrische Familien hatten ein Büffett vorbereitet, und so konnten die Zuhörer bei köstlichen Falafel, Reis, Tabouleh und gefüllten Weinblättern sich persönlich austauschen. Trotz des schweren, fast aussichtslosen Themas kam eine fröhliche, entspannte Stimmung auf.

Fluchtgeschichten

Zum Abschluss der Projektwochen berichten am Montag, 1. April um 18.30 Uhr syrische Flüchtlinge in der Teestube des JuZe (Hauberisserstr. 8) über ihre Situation: Wie war ihr Leben in Syrien, wie arbeiteten und wohnten sie dort, weshalb mussten sie Syrien verlassen und was erlebten sie auf der Flucht. Dann ihre Ankunft in Deutschland, erste Erlebnisse, Alltag heute und der Blick in die Zukunft.

Der Eintritt dazu ist frei.

> Zur Meldung Projektwochen "Syrische Realitäten" im Stadtportal

> Das Programm als PDF

Zurück

Wir sind Kaufbeuren

Neugablonzer Str. 5
87600 Kaufbeuren

08341-874632
08341-9660435

mehr wissen. mehr erreichen.

Das Stadtportal mit dem Mehr an Infos.

Erleben Sie Kaufbeuren in seiner faszinierenden Art und genießen Sie die bekannte und traditionsreiche Stadt an der Wertach. "Wir sind Kaufbeuren" möchte Ihnen Kaufbeuren präsentieren, so wie es ist:
Tradition bewahrend - Zukunft gestaltend.

Copyright © 2021 - Wir sind Kaufbeuren - Das Kaufbeurer Stadtportal