Abschied vom Mythos – Augenblicke am Berliner Platz Teil 4

Manfred Kraus über die altehrwürdige Eishalle am Berliner Platz

Werbeaktion für neue Fördermitglieder, Foto: Marketingagentur Tenambergen
Foto: Manfred Kraus

Der Berliner Platz hat sie alle gesehen, die Großen des Welteishockeys, die Russen Wladislaw Tretjak, Wjatscheslaw Fetisow, Sergej Makarow und Wladimir Krutow, die Tschechen Jiri Holecek, Oldrich Machac, Vladimir Martinec und Jiri Holik, die Slowaken Joschi Golonka, Vladimir Dzurilla, Oto Hascak und Peter Ihnacak, die Schweden Patrik Sundström, Peter Forsberg, Michael Nylander und Markus Näslund, die Kanadier Dale Hawerchuk, Scott Niedermayer und Eric Lindros. Er hat Geschichte geschrieben, der Berliner Platz, bald aber wird er selber Geschichte sein. Deshalb wollen wir sie sammeln, die persönlichen Erlebnisse und Augenblicke aus fast einem halben Jahrhundert. Große Geschichten und kleine, verborgene Geschichten auch.

Heute erzählen uns Thomas Petrich aus Apfeltrang, Gesellschafter der ESVK Spielbetriebsgesellschaft mbH, und Thomas Hoffmann aus Unterschleißheim bei München ihren Augenblick am Berliner Platz.

„Wen die Leidenschaft für den ESV Kaufbeuren erst einmal erfasst hat, der macht ganz verrückte Sachen, um seinem ESVK nahe zu sein. Ich fuhr während meiner Ausbildung zum Koch fast immer nach Feierabend eilends aus Oy-Mittelberg nach Kaufbeuren, bloß um wenigstens noch die letzten Spielminuten im Stadion mitzuerleben. Da waren schon ein paar ganz besondere Erlebnisse dabei. Wenn ich nun aber bewusst über Lieblingsmomente nachdenke, fällt mir auf, wie viele emotionale Augenblicke ich am Berliner Platz erlebt habe. Unsere Eishalle steckt voller Erinnerungen. Wünsche gingen in Erfüllung. Hoffnungen zerplatzten. Die Leidenschaft blieb. Mein Lieblingsspiel ist natürlich das begeisternde 5:1 im vierundachtziger Halbfinale gegen Landshut, als der Berliner Platz überkochte und die Niederbayern aus lauter Frust über ihre Unterlegenheit beinahe eine halbe Stunde vom Eis gingen. Unvergessene Eishockeygiganten wie unser Eigengewächs Didi Hegen und die beiden tschechoslowakischen Weltklassespieler Vladimir Martinec und Bohuslav Stastny zauberten damals für den ESVK.

Ebenfalls einen ganz großen Augenblick stellt für mich das Aufstiegsspiel gegen Peiting dar, mit dem wir 2009 vor ausverkauftem Haus aus der Oberliga in die zweite Bundesliga zurückkehrten. Über beide Begegnungen wurde aber schon viel gesprochen, weshalb ich aus dem unerschöpflichen Fundus mitreißender Spiele eine absolut coole Partie aus dem Jahr 1992 herausholen möchte. Die Düsseldorfer EG kam damals im Oktober nach einem wochenlangen Alleingang mit 28:0 Punkten als verlustpunktfreier Spitzenreiter siegessicher nach Kaufbeuren. Saisonübergreifend hatten die Rheinländer sogar eine Serie von siebenundzwanzig Siegen am Stück auf ihrem Konto. Die Bundesligisten hatten einen Preis für jene Mannschaft ausgelobt, die dem Starensemble um Chris Valentine, Peter John Lee und Helmut de Raaf endlich wieder eine Niederlage zufügen würde. Ich glaube, es handelte sich um eine Kiste Champagner. Von Bedeutung ist aber insbesondere der symbolische Werte der ungewöhnlichen Prämie. Natürlich tauchten die Düsseldorfer mit ganz breiter Brust am Berliner Platz auf, was dann aber über sie hinwegfegte, ist als rotgelber Orkan noch milde umschrieben. Die blutjunge Mannschaft von Trainer Pit Ustorf spielte den haushohen Favoriten sensationell mit 6:2 an die Wand. Sie lieferte ein atemberaubendes Traumspiel, obwohl unser Riesentalent Stefan Ustorf verletzt ausfiel.

Wie in Kaufbeuren gewohnt, war auch seinerzeit die Mannschaft der Star, aber natürlich sind mir ein paar Spielernamen im Gedächtnis haften geblieben. Cestmir Fous, Christian Lukes, Ken Karpuk, Frantisek Frosch, Daniel Kunce, Rolf Hammer, Ladislav Lubina. Düsseldorfs Coach Hans Zach war außer sich und es war für jedermann im Stadion sichtbar, wie sehr es in ihm brodelte. Zehn Minuten vor Schluss holte er beim Stande von 2:6 seinen Torwart vom Eis, um einen sechsten Feldspieler bringen zu können. Hans Zach war natürlich ein Meister seines Faches, als tätiger Alpenvulkan rief er aber auch Widerspruch hervor. Beim Publikum und bei den Spielern. Als er später einmal die Kaufbeurer als Weicheier, die er nicht in der Nationalmannschaft haben wolle, bezeichnete, fuhren Daniel Kunce und Jürgen Simon gegen seine erneut deutlich zurückliegende DEG jeden Check grausam zu Ende. Da war aber etwas los. Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte vom Berliner Platz, der eben tatsächlich voller Geschichten und Geschichte steckt.“ (Thomas Petrich, 47, Apfeltrang)

„Für mich als langjährigem Münchner Eishockeyanhänger begann die Zeit meiner ersten Auswärtsfahrten, als die Barons nach Hamburg umzogen und der EHC neugegründet wurde. So kam ich in den Genuss, die Spielstätten der traditionsreichen bayerischen Eishockeyhochburgen als Gästefan zu besuchen. Unter anderem führte mich mein Weg nach Füssen, Landshut, Rosenheim und natürlich auch nach Kaufbeuren. Die Fahrten nach Kaufbeuren waren für uns immer eine besondere Freude. Bereits die hervorragenden Köstlichkeiten vor dem Stadion stellten einen Höhepunkt dar. Döner, Fischsemmeln, Steaksemmeln und allerlei mehr. Eine so vielfältige und vor allem eine so gute Verpflegung findet man selten bis gar nicht in der DEL. Obwohl die Begegnungen unserer beiden Mannschaften einen gewissen Derbycharakter besaßen, haben wir in Kaufbeuren immer faire Heimfans, die ihr Stadion in einen Hexenkessel verwandeln konnten, erlebt. Auch wenn die Ergebnisse in der Regel zugunsten der Münchner Schlachtenbummler ausfielen, feuerten die Jokerfans ihr Team bis zum Schlusspfiff leidenschaftlich an.

Unvergesslich wird jedoch bleiben, wie kalt es in der Kaufbeurer Eishalle ist. Bei winterlichen Temperaturen um den Gefrierpunkt hatte man im Stadion das Gefühl, es würden zehn Grad minus herrschen, weil der Wind teilweise ziemlich gut durchpfiff. Den Abriss der altehrwürdigen Eishalle am Berliner Platz sehe ich sowohl mit einem weinenden als auch mit einem lachenden Auge. Mit dem Rückbau kommt viel Geschichte und Tradition abhanden, die Erinnerungen aber werden bleiben und das neue Stadion wird die Zukunft des tollen Sports in Kaufbeuren sichern. Auch wenn ich als Münchner nun die modernen Multifunktionsarenen in Düsseldorf, Mannheim, Köln, Berlin und Hamburg besucht habe, werde ich Euer tolles und sympathisches Stadion nie vergessen. Ich bin froh, das eine oder andere Bierchen vor und in Eurer Halle getrunken zu haben. Selbstverständlich werde ich Euch und den Berliner Platz in seinem letzten Spieljahr noch einmal besuchen.“ (Thomas Hoffmann, 31, Unterschleißheim)

Haben auch Sie einen Lieblingsaugenblick rund um den Berliner Platz? Dann setzen Sie sich doch über abm.kraus@googlemail.com per Email mit Manfred Kraus in Verbindung. Wir alle freuen uns auch auf Ihren Augenblick am Berliner Platz.

Text: Manfred Kraus

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