Kaufbeurer Landtagsabgeordneter Bernhard Pohl sieht freiwilliges Modell auch als Impuls für ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr
Mit einem sogenannten „Bayernjahr“ wollen die Regierungsfraktionen von FREIEN WÄHLERN und CSU im Bayerischen Landtag das gesellschaftliche Engagement stärken. Wie die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion in einer aktuellen Pressemitteilung berichtet, wurde das Konzept jetzt im Rahmen einer Pressekonferenz im Bayerischen Landtag vorgestellt. Zu den parlamentarischen Initiatoren gehört auch der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (FREIE WÄHLER).
Das Bayernjahr ist als freiwillige Gesellschaftszeit konzipiert und soll Menschen aller Altersgruppen die Möglichkeit geben, sich strukturiert gesellschaftlich zu engagieren. Vorgesehen sind die vier Module Sicherheit, Soziales, Wirtschaft und Unternehmertum sowie Umwelt.
Dabei soll an bereits bestehende Freiwilligendienste wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ), den Bundesfreiwilligendienst (BFD) und den Freiwilligen Wehrdienst angeknüpft werden. Nach Angaben der Landtagsfraktion sollen diese Angebote miteinander vernetzt werden, ohne neue Verwaltungsstrukturen zu schaffen.
Zertifikat und Anreize für Teilnehmer
Wer am Bayernjahr teilnimmt, soll anschließend ein Zertifikat erhalten, das die erbrachte Leistung dokumentiert. Zusätzlich ist ein freiwilliges Anreizsystem vorgesehen. Als mögliche Beispiele nennt die Landtagsfraktion Vorteile bei der Studienplatzvergabe, die Übernahme von Führerscheinkosten, vergünstigte Bahntickets oder Kulturgutscheine.
Ein zentrales digitales Anmelde- und Informationsportal soll Interessierten den Zugang erleichtern. Das Angebot soll sich nicht ausschließlich an junge Menschen richten, sondern an alle Altersgruppen und nach den Vorstellungen der Initiatoren auch einen Beitrag zur Integration von Zugewanderten leisten.
Pohl: Bayernjahr soll Impulse für weitere Diskussion geben
Bernhard Pohl, Erster stellvertretender Vorsitzender der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion, sieht in dem freiwilligen Bayernjahr zugleich einen Schritt in Richtung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres: „Vor 13 Jahren bereits haben die Freien Wähler ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für Männer und Frauen mit Wahlrecht zwischen einem Dienst bei der Bundeswehr, Blaulichtorganisationen oder im sozialen oder gesundheitlichen Bereich gefordert. Dieses Ziel steht nach wie vor ganz oben auf unserer Agenda. Ein wichtiger Impuls hierfür soll nun das Bayernjahr sein. Es ist zwar nicht verpflichtend, sondern freiwillig, soll aber als Best-Practice-Beispiel unserer notwendigen politischen Diskussion zusätzliche Impulse verleihen. Natürlich wollen wir auch die Zahlen im Vergleich zu den bisherigen Freiwilligendiensten deutlich erhöhen, damit die Ableistung dieses Dienstes in Bayern zu einer Selbstverständlichkeit wird. Gleichzeitig liefern wir damit auch eine Blaupause für den Bund, der bei der Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres von den Erfahrungen Bayerns profitieren kann.“
Parallel zum freiwilligen Bayernjahr setzen sich die Regierungsfraktionen nach eigenen Angaben auf Bundesebene für die Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres für alle ein.
Holetschek: Orientierungszeit nach dem Schulabschluss
Auch Klaus Holetschek, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, wirbt für das Konzept: „Gerade in Zeiten äußerer Bedrohung gilt: Freiheit ist kein Selbstläufer. Sie braucht Einsatz und Engagement jedes Einzelnen. Wer seine Heimat mitgestaltet, stiftet Identität und trägt Verantwortung – davon lebt unser Freistaat. Ein Bayernjahr ist gleichzeitig auch eine Orientierungszeit für junge Menschen nach dem Schulabschluss. Sie lernen neue Berufsfelder kennen, wovon vor allem der soziale und gesundheitliche Bereich profitieren kann. Anpacken, ausprobieren, Horizont erweitern – statt digitaler Blase. Wir brauchen eine neue Form von Zusammenhalt und Gemeinsinn – und damit gegen die radikalen Kräfte, die unsere Demokratie zerstören wollen.“
Vertreter aus Wirtschaft, Feuerwehr, Sozialbereich und Naturschutz beteiligt
An der Vorstellung des Bayernjahres nahmen neben den politischen Initiatoren auch Vertreter aus Wirtschaft, Feuerwehr, Wohlfahrtspflege und Naturschutz teil. Die vier Bereiche sollen sich entsprechend in den unterschiedlichen Modulen des Bayernjahres wiederfinden.
Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt, begrüßt insbesondere das vorgesehene Wirtschaftsmodul. Unternehmen sollen demnach ohne großen zusätzlichen bürokratischen Aufwand Praktikumsplätze anbieten können. Pflichtpraktika sollen durch das Bayernjahr nicht verdrängt werden.
Johann Eitzenberger, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbands Bayern, sieht im Sicherheitsmodul eine Möglichkeit, junge Menschen an das ehrenamtliche Engagement bei den Feuerwehren heranzuführen. Landes-Caritasdirektor Dr. Andreas Magg sieht im Sozialmodul eine mögliche Ergänzung zu FSJ und Bundesfreiwilligendienst sowie eine Chance zur Berufsorientierung.
Auch der Umweltbereich ist Bestandteil des Konzepts. Nicolas Liebig, Landessprecher der bayerischen Landschaftspflegeverbände, verweist dabei auf die Möglichkeit, jungen Menschen praktische Erfahrungen in der Landschaftspflege sowie im Natur- und Klimaschutz zu ermöglichen.
Konzept setzt zunächst auf Freiwilligkeit
Das jetzt vorgestellte Bayernjahr selbst soll freiwillig bleiben. Gleichzeitig verstehen insbesondere die FREIEN WÄHLER das Modell als möglichen Impuls für die politische Diskussion über ein späteres verpflichtendes Gesellschaftsjahr auf Bundesebene. Ziel des Bayernjahres ist es nach Angaben der Initiatoren, bestehende Angebote besser miteinander zu verbinden und mehr Menschen für gesellschaftliches Engagement zu gewinnen.



















