Nach jahrzehntelangem Leerstand zeichnet sich eine Zukunft für das markante Gebäude ab – Die Projektgesellschaft „Mahlwerk“ will einen zweistelligen Millionenbetrag investieren
Kaufbeuren – Es könnte eines der bedeutendsten Stadtentwicklungsprojekte der kommenden Jahre werden: Die seit Jahrzehnten leerstehende Spittelmühle an der wichtigsten Kreuzungen Kaufbeurens soll zu neuem Leben erwachen. Wo bisher ein weitgehend ungenutztes Gebäude das Stadtbild prägt, sollen künftig ein Hotel mit rund 60 bis 70 Zimmern, Gastronomie und möglicherweise eine Markthalle entstehen. Besonders spektakulär ist die Idee einer verglasten Bar auf dem ehemaligen Mühlenturm, die einen außergewöhnlichen Blick über Kaufbeuren bieten könnte.
Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag, 22. Oktober 2026, im Kaufbeurer Rathaus stellten Oberbürgermeister Stefan Bosse, Wirtschaftsreferent Andreas Bauer und die Initiatoren der Projektgesellschaft „Mahlwerk“ die Pläne erstmals öffentlich vor. Hinter dem Vorhaben stehen Kaufbeurer Unternehmer, die das historische Gebäude mit einer Investition im niedrigen zweistelligen Millionenbereich umfassend sanieren und einer neuen Nutzung zuführen möchten.
Der Stadtrat hat sich bereits für das Konzept ausgesprochen. Damit könnte nach zahlreichen gescheiterten Anläufen der vergangenen Jahrzehnte nun tatsächlich eine Perspektive für die Spittelmühle entstehen.
Ein Gebäude, viele Ideen – und nun eine konkrete Perspektive
Die Spittelmühle beschäftigt die Stadt Kaufbeuren seit vielen Jahren. Das Gebäude befindet sich ebenso wie das angrenzende Wasserwerk im städtischen Eigentum. Immer wieder gab es Überlegungen, die Immobilie zu sanieren und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Doch keines der bisherigen Vorhaben konnte verwirklicht werden.
Oberbürgermeister Stefan Bosse erinnerte bei der Pressekonferenz an die zahlreichen Versuche, das Gebäude wiederzubeleben. Unterschiedliche Planer hätten Konzepte entwickelt, doch immer wieder seien Schwierigkeiten oder äußere Umstände dazwischengekommen. Nun sieht die Stadt eine neue Chance. Ein eigens durchgeführtes Bieterverfahren brachte die Entscheidung zugunsten der Projektgesellschaft „Mahlwerk“.
Dabei stand nicht allein der mögliche Verkaufserlös im Vordergrund. Vielmehr wurde das Verfahren bewusst so gestaltet, dass die Qualität des Nutzungskonzepts mit 70 Prozent in die Bewertung einfloss. Wirtschaftsreferent Andreas Bauer erklärte, dass es der Stadt vor allem um eine Belebung dieses wichtigen Standorts am Rand der Altstadt gegangen sei. Eine reine Lager-, Büro- oder Wohnnutzung hätte aus Sicht der Verantwortlichen nicht die gewünschte Wirkung erzielt. „Es wird ein Juwel für die Stadt sein“, zeigte sich Bauer bei der Vorstellung des Projekts überzeugt.
Kaufbeurer Unternehmer übernehmen Verantwortung
Die Initiative geht von der eigens gegründeten Mahlwerk Projektgesellschaft aus. Zu den Gesellschaftern gehören Joshua Zappe aus der Geschäftsleitung der Zappe GmbH in Kaufbeuren und Alexander Braml, Inhaber der BRAML Steuerberatungsgesellschaft mbH. Zum vierköpfigen Gesellschafterkreis gehören nach Angaben der Projektverantwortlichen außerdem Claudio Hirscher und Eva Lele.
Die Beteiligten bringen unterschiedliche berufliche Kompetenzen in das Vorhaben ein – von der Bauausführung über steuerliche und rechtliche Fragen bis hin zur wirtschaftlichen Gestaltung und dem späteren Betrieb. Joshua Zappe schilderte, dass ihn die Spittelmühle schon seit seiner Kindheit begleitet habe. Über Jahrzehnte sei er an dem Gebäude vorbeigekommen und habe sich gefragt, welche Zukunft es haben könnte.
Gemeinsam mit seinen Partnern habe er sich intensiv mit den baulichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten auseinandergesetzt. Schnell sei deutlich geworden, dass eine klassische Büro- oder Wohnnutzung aufgrund der schwierigen Erschließung und Parkplatzsituation nur schwer umzusetzen wäre.
Die entscheidende Perspektive eröffnete schließlich der Kontakt zu einem Kaufbeurer Hotelbetreiber, der bereits Erfahrung in der örtlichen Hotellerie besitzt und Interesse an einem weiteren Standort signalisiert hat. Sein Name wurde bei der Pressekonferenz noch nicht bekannt gegeben.
Dass die Projektgesellschaft bereit ist, sich dieser Herausforderung zu stellen, hat für Zappe auch mit der Verbundenheit zur eigenen Heimatstadt zu tun. „Wir kommen aus der Stadt. Wir haben unsere Unternehmen hier in der Stadt“, betonte er. Zugleich machte er deutlich, dass die Beteiligten das Vorhaben mit großer Entschlossenheit angehen: „Wenn wir es anfangen, dann ziehen wir es auch durch.“
Hotel mit 60 bis 70 Zimmern und Angeboten für längere Aufenthalte
Den größten Teil der Spittelmühle soll künftig ein Hotel einnehmen. Vorgesehen ist eine Nutzung des ersten bis vierten Obergeschosses. Geplant sind etwa 60 bis 70 Zimmer, wobei die endgültige Anzahl von der weiteren Raumaufteilung abhängt. Das Konzept sieht eine Kombination aus klassischem Hotelbetrieb und sogenannten Long-Stay-Angeboten vor. Dabei handelt es sich um Zimmer beziehungsweise Apartments, die auch für längere Aufenthalte gebucht werden können. Angesprochen werden sollen beispielsweise Geschäftsreisende oder Monteure, die mehrere Wochen oder Monate in Kaufbeuren verbringen. Für diese Gäste sind größere Einheiten mit kleinen Küchenzeilen vorgesehen. Mit dieser Mischung möchten die Projektentwickler unterschiedliche Bedürfnisse abdecken und zugleich einen wirtschaftlich tragfähigen Hotelbetrieb ermöglichen.
Visualisierung

Gastronomie und Markthalle im Erdgeschoss
Auch das Erdgeschoss soll künftig eine wichtige Rolle spielen. Hier denken die Verantwortlichen an eine gastronomische Nutzung, möglicherweise in Verbindung mit einer Markthalle. Wie dieses Angebot im Detail aussehen wird, ist noch offen. Insbesondere die baulichen Voraussetzungen und die spätere Verpachtung müssen noch geklärt werden. Ziel ist es, einen Bereich zu schaffen, der nicht ausschließlich Hotelgästen vorbehalten bleibt, sondern auch für die Kaufbeurer Bevölkerung und Besucher der Stadt attraktiv ist. Dazu könnte eine Außengastronomie gehören. Erste Gespräche mit der Stadt über eine entsprechende Gestaltung des Vorplatzes haben bereits stattgefunden.
Ein gläserner Aufbau als besonderer Blickfang
Ein architektonisches Highlight des Projekts könnte auf dem ehemaligen Mühlenturm entstehen. Die Planungen sehen einen verglasten Aufbau vor, in dem eine Bar oder ein gastronomischer Betrieb untergebracht werden könnte. Von dort aus würde sich ein weiter Blick über die Kaufbeurer Altstadt und die umliegenden Stadtbereiche bis hin zu den Alpen eröffnen. Joshua Zappe berichtete, dass es bereits erste Interessenten für den Betrieb einer solchen Gastronomie gebe. Konkrete Vereinbarungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen.
Auch die baurechtliche Genehmigung und die architektonische Ausgestaltung müssen noch mit den zuständigen Behörden abgestimmt werden. Die bei der Pressekonferenz gezeigte Visualisierung verdeutlicht deshalb zunächst die gestalterische Richtung. Einzelheiten können sich im weiteren Planungsverlauf noch verändern. Für die Stadt ist gerade dieser öffentlich zugängliche Bereich von besonderer Bedeutung. Andreas Bauer bezeichnete eine solche Aussichtsgastronomie als möglichen Anziehungspunkt, der weit über den eigentlichen Hotelbetrieb hinaus Wirkung entfalten könnte.
Schwierige Erschließung und besondere bauliche Herausforderungen
Dass die Spittelmühle über Jahrzehnte keine neue Nutzung gefunden hat, liegt auch an den besonderen Rahmenbedingungen. Das Gebäude befindet sich unmittelbar an einer stark befahrenen Kreuzung. Die bisherige Zugänglichkeit ist eingeschränkt, gleichzeitig sind die baulichen Möglichkeiten aufgrund des bestehenden Gebäudes begrenzt. Ein wichtiger Baustein des neuen Konzepts ist deshalb die Einbeziehung angrenzender Grundstücksflächen. Die Projektgesellschaft konnte bereits einen Teil eines benachbarten Grundstücks erwerben. Über weitere Anteile wird noch verhandelt. Dadurch könnten zusätzliche Erschließungsmöglichkeiten entstehen und das Umfeld der Spittelmühle attraktiver gestaltet werden. Die Projektverantwortlichen betonten allerdings, dass das Vorhaben grundsätzlich auch ohne den vollständigen Erwerb dieser Flächen umsetzbar sei.
Hinzu kommen anspruchsvolle baurechtliche Fragen. Die Spittelmühle steht nach den Angaben bei der Pressekonferenz nicht unter individuellem Denkmalschutz, unterliegt jedoch dem Ensembleschutz. Von besonderer Bedeutung ist außerdem der Bestandsschutz. Die äußeren Dimensionen des Gebäudes sollen weitgehend erhalten bleiben, da ein vollständiger Neubau an dieser Stelle aufgrund heutiger Abstandsflächenregelungen erheblich schwieriger wäre. Im Inneren ist dagegen eine umfassende Neuordnung vorgesehen. Oberbürgermeister Stefan Bosse brachte die besonderen Herausforderungen des Projekts bei der Pressekonferenz mit wenigen Worten auf den Punkt: „Weil einfach ist anders.“ Gerade deshalb würdigte er die Bereitschaft der Unternehmer, sich auf die anspruchsvolle Sanierung einzulassen.
Innovative Energieversorgung mit Wasser, Wärmepumpe und Batteriespeicher
Neben der architektonischen Gestaltung soll auch die Energieversorgung eine besondere Rolle spielen. Die Projektgesellschaft möchte prüfen, wie sich die vorhandenen technischen Möglichkeiten am Standort für einen möglichst energieeffizienten Betrieb nutzen lassen. Dazu gehört insbesondere der angrenzende Mühlbach mit seiner bestehenden Turbinenanlage. Angedacht ist ein Energiekonzept mit Wärmepumpe und Batteriespeicher. Auch eine Photovoltaikanlage wird geprüft.
Darüber hinaus könnte der Mühlbach für die Wärmegewinnung beziehungsweise Kühlung genutzt werden. Die dafür erforderlichen wasserrechtlichen Genehmigungen müssten noch beantragt werden. Gerade für den geplanten Hotelbetrieb spielt auch die Kühlung der Zimmer während der Sommermonate eine Rolle. Joshua Zappe bezeichnete die energetische Gestaltung als eines seiner persönlichen Anliegen. Er möchte mit dem Projekt zeigen, dass sich auch ein älteres Gebäude in innerstädtischer Lage mit zeitgemäßer Technik wirtschaftlich und energieeffizient betreiben lässt.
Investition im zweistelligen Millionenbereich
Die Dimension des Vorhabens ist beträchtlich. Nach Angaben der Projektgesellschaft bewegen sich die derzeit kalkulierten Investitionskosten im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Eine endgültige Summe lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen, da zahlreiche technische und planerische Details erst in den kommenden Monaten ausgearbeitet werden. Die Verantwortlichen betonten, dass sie bereits umfangreiche Vorarbeiten geleistet und finanzielle Reserven eingeplant hätten.
Gleichzeitig machten sie deutlich, dass es sich um ein anspruchsvolles Projekt mit entsprechenden wirtschaftlichen Risiken handelt. Dennoch zeigte sich Joshua Zappe von der Realisierbarkeit des Vorhabens überzeugt: „Wir würden jetzt nicht hier sitzen und in die Öffentlichkeit gehen, wenn wir Sorge hätten, dass wir das nicht umsetzen können.“ Die Projektgesellschaft ist grundsätzlich auch für weitere Investoren offen. Angesprochen werden insbesondere Interessenten, die sich mit größeren Beträgen beteiligen möchten. Eine Rolle könnten dabei steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten spielen, die für die Sanierung von Gebäuden innerhalb eines ausgewiesenen Sanierungsgebiets bestehen. Die Spittelmühle liegt nach Angaben der Beteiligten innerhalb eines solchen Gebiets.
Frühestens in etwa drei Jahren könnte eröffnet werden
Bis aus den Plänen Wirklichkeit wird, ist noch Geduld erforderlich. Joshua Zappe rechnet zunächst mit einer Planungsphase von ungefähr einem Jahr. Anschließend soll die eigentliche Sanierung beginnen. Für die Bauarbeiten werden im günstigsten Fall etwa 18 Monate veranschlagt. Vorsichtiger kalkuliert die Projektgesellschaft mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren. Damit erscheint eine Eröffnung frühestens in etwa drei Jahren, also voraussichtlich ab 2029, realistisch. Der genaue Zeitpunkt hängt unter anderem vom Verlauf der Genehmigungsverfahren, der baulichen Umsetzung und den Anforderungen des späteren Hotelbetreibers ab.
Große Freude im Rathaus über das neue Konzept
Oberbürgermeister Stefan Bosse und Wirtschaftsreferent Andreas Bauer machten bei der Pressekonferenz deutlich, welche Bedeutung sie dem Vorhaben beimessen. Die Stadt hatte im Rahmen des Bieterverfahrens knapp zehn Interessensbekundungen erhalten. Zwei Bewerber reichten schließlich konkrete Konzepte ein, die in die engere Auswahl kamen. Den Ausschlag für die Entscheidung zugunsten der Projektgesellschaft Mahlwerk gab insbesondere die Kombination aus Hotelbetrieb, öffentlich zugänglicher Gastronomie, möglichem Aussichtspunkt und einem zeitgemäßen Energiekonzept.
Hinzu kam nach Darstellung der Stadt die intensive Vorbereitung der Kaufbeurer Unternehmer. Bauer zeigte sich insbesondere darüber erfreut, dass sich mit der Projektgesellschaft engagierte Unternehmer aus Kaufbeuren gefunden hätten, die bereit seien, Verantwortung für die Entwicklung dieses wichtigen Standorts zu übernehmen. Auch Joshua Zappe fand bei der Pressekonferenz ausdrücklich lobende Worte für die Zusammenarbeit mit der Stadt Kaufbeuren. Bereits in der bisherigen Vorbereitungsphase habe es einen konstruktiven und zielgerichteten Austausch mit der Verwaltung gegeben. „Wir merken auch seitens der Stadt, dass hier ein großer Wille da ist“, betonte Zappe.
Er hob hervor, dass die Projektgesellschaft bei ihren bisherigen Gesprächen auf großes Interesse und Unterstützung gestoßen sei. Die Zusammenarbeit sei von Anfang an konstruktiv und zielführend gewesen. Ihm sei es wichtig, dies auch öffentlich hervorzuheben. Bosse würdigte seinerseits die Bereitschaft der Unternehmer, Verantwortung für ein schwieriges und wirtschaftlich anspruchsvolles Vorhaben zu übernehmen. „Ich freue mich, dass ihr euch diesem Projekt und dieser Herausforderung gestellt habt“, erklärte der Oberbürgermeister. Die Stadt werde das Projekt im weiteren Verlauf nach Kräften unterstützen, versicherte Bosse. Zum Abschluss der Pressekonferenz bedankte er sich bei den Beteiligten dafür, dass sie sich der Herausforderung stellen, die Spittelmühle gewissermaßen „wach zu küssen“.
Ein neuer Anziehungspunkt für Kaufbeuren?
Noch steht das Projekt am Anfang seiner konkreten Umsetzung. Genehmigungen müssen eingeholt, bauliche Details geklärt und weitere Verträge abgeschlossen werden. Dennoch ist mit der Entscheidung des Stadtrats und der Vorstellung des Konzepts ein wichtiger Schritt getan. Nach Jahrzehnten des Leerstands und zahlreichen erfolglosen Versuchen besteht erstmals wieder eine konkrete Perspektive, das markante Gebäude an der Spittelmühlkreuzung dauerhaft zu nutzen. Sollten die Pläne umgesetzt werden, könnte dort ein Ort entstehen, der Übernachtungsgäste, Gastronomiebesucher und Kaufbeurer gleichermaßen anspricht – und der Altstadt einen neuen Anziehungspunkt verschafft.


















