Jahreshauptversammlung mit Rückblick auf zahlreiche Aktionen, soliden Vereinsfinanzen und einem ausführlichen Ausblick von Wirtschaftsreferent Andreas Bauer – Parken, Verkehr und Stadtentwicklung im Mittelpunkt
Wie lässt sich die Kaufbeurer Altstadt auch in Zukunft attraktiv und lebendig gestalten? Welche Rolle spielen Veranstaltungen, Einzelhandel und Gastronomie? Und wie kann die Altstadt für Kunden und Besucher besser erreichbar werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung der Aktionsgemeinschaft Kaufbeuren am Mittwoch, 21. Oktober 2026. Neben dem Rückblick auf die Aktivitäten des vergangenen Jahres und dem Finanzbericht nahm insbesondere der Vortrag von Wirtschaftsreferent Andreas Bauer breiten Raum ein.
Durch die Mitgliederversammlung führte Vorstandsmitglied Guido Zeller, zuständig für den Bereich Mitglieder. Den Kassenbericht stellte Finanzvorstand Hans Junginger vor. Bauer informierte anschließend über aktuelle Entwicklungen rund um die Altstadt und die Überlegungen der Stadt zur künftigen Verkehrs- und Parksituation.
Deutlich wurde an diesem Abend vor allem eines: Die Aktionsgemeinschaft und die Stadt Kaufbeuren wollen ihre enge Zusammenarbeit fortsetzen, um den stationären Einzelhandel zu stärken und die Aufenthaltsqualität im Stadtzentrum weiter zu verbessern.
Zahlreiche Aktionen sorgen für Leben in der Innenstadt
Guido Zeller blickte zunächst auf die Aktivitäten der Aktionsgemeinschaft im Jahr 2025 zurück. Das Veranstaltungsprogramm reichte vom „Kunstraum“, bei dem 25 regionale Künstlerinnen und Künstler ihre Werke in Kaufbeurer Geschäften präsentierten, bis zu verschiedenen Aktionen in der Adventszeit.
Eine erfolgreiche Premiere feierte das „Kirchplatzfeeling“. Die von Bettina Rhein und Dr. Isabel Tietze vom Weltladen initiierte Veranstaltung fand im Rahmen der „Summer Streets“ statt. Mit Musik, Liegestühlen, Verkostungen und Aktionen der umliegenden Geschäfte entstand eine entspannte Atmosphäre auf dem Kirchplatz. Die Aktionsgemeinschaft unterstützte die Organisatoren unter anderem bei der Veranstaltungsversicherung und den Genehmigungen.
Auch die Gestaltung des öffentlichen Raums war ein wichtiges Thema. Weitere mobile Bäume wurden in der Innenstadt aufgestellt. Die Finanzierung erfolgte gemeinschaftlich durch die Aktionsgemeinschaft, die VWEW sowie beteiligte Unternehmen und Immobilieneigentümer. Um die Pflege kümmert sich die Lebenshilfe Kaufbeuren.
Für Zeller hat diese Zusammenarbeit Modellcharakter. Sie zeige, dass sich auch ohne eine vollständige Finanzierung durch die Stadt Projekte verwirklichen lassen, wenn verschiedene Akteure ihre Kräfte bündeln.
Zu den weiteren Aktivitäten gehörten die Oldtimer-Ausstellung beim Rustikalmarkt, die Unterstützung des Lions-Adventskalenders sowie verschiedene Aktionen zur weihnachtlichen Gestaltung der Innenstadt.
Zeller dankte den zahlreichen Unterstützern, darunter der Stadt Kaufbeuren, dem Bauhof, Kaufbeuren Tourismus- und Stadtmarketing, der Sparkasse Allgäu, dem THW und der Lebenshilfe. Sein besonderer Dank galt den Mitgliedern und Vorstandskollegen, die einen großen Teil der Vereinsarbeit ehrenamtlich leisten. Gleichzeitig machte er deutlich, dass dieses Engagement zunehmend Zeit beanspruche und sich nicht immer leicht mit den Anforderungen der eigenen Betriebe vereinbaren lasse.
Altstadtfunkeln bleibt die wichtigste Veranstaltung
Eine besondere Bedeutung kommt weiterhin dem Altstadtfunkeln mit dem Candlelight-Shopping zu. Seit der Ausweitung auf zwei Veranstaltungstage öffnen zahlreiche Geschäfte am Freitag bis 22 Uhr und am Samstag bis 20 Uhr. Nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres hat sich dieses Konzept bewährt. Zeller berichtete von zwei überdurchschnittlich starken Einkaufstagen. Das Altstadtfunkeln sei nicht nur die größte, sondern auch die erfolgreichste Aktion der Aktionsgemeinschaft und bringe zahlreiche Menschen in die Innenstadt.
Die verlängerten Öffnungszeiten seien allerdings mit einem erheblichen personellen Aufwand verbunden. Gerade für kleinere Geschäfte stelle die Organisation der zusätzlichen Arbeitsstunden eine Herausforderung dar. Dennoch wolle man an dem erfolgreichen Konzept möglichst festhalten.
Finanzbericht: Rund 31.000 Euro für Aktionen und Organisation
Finanzvorstand Hans Junginger stellte anschließend die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vor. Die Aktionsgemeinschaft nahm 26.140 Euro an Mitgliedsbeiträgen ein. Dem standen Ausgaben von insgesamt 30.934 Euro gegenüber. Damit überstiegen die Ausgaben die Einnahmen um rund 4.800 Euro. Junginger machte deutlich, dass dies angesichts der vorhandenen Rücklagen kein Problem darstelle. Die Aktionsgemeinschaft sei schließlich kein Sparverein, sondern wolle ihre Mittel gezielt für die Belebung der Innenstadt einsetzen.
Den größten Einzelposten bildete das Altstadtfunkeln beziehungsweise Candlelight-Shopping mit rund 11.700 Euro. Für die weihnachtlichen Aktivitäten wurden insgesamt etwa 6.810 Euro aufgewendet. Dazu gehörten unter anderem der Adventskranz, der Weihnachtsweg und das Christbaumloben. Weitere Mittel flossen in die mobilen Bäume, die Straßenüberspannungen und die Unterstützung des Kinderprogramms beim Altstadt-Sommer.
Auch die finanzielle Absicherung der AK-Geschenkschecks wurde erläutert. Die entsprechenden Gelder werden getrennt verwaltet und stehen zur Einlösung der Gutscheine zur Verfügung. Die Kassenprüfer bestätigten eine ordnungsgemäße Buchführung. Für sämtliche Buchungen lagen Belege vor, die Kontostände stimmten überein. Im Anschluss wurde der Vorstand ohne Gegenstimmen entlastet.
AK-Geschenkscheck soll künftig digital werden
Neben den Veranstaltungen bleibt der AK-Geschenkscheck ein wichtiges Instrument zur Kundenbindung. Eine positive Entwicklung konnte die Aktionsgemeinschaft bereits bei der Nutzung durch Unternehmen vermelden. Nach entsprechender Prüfung kann der Gutschein auch als geldwerter Vorteil für Mitarbeiter eingesetzt werden.
Darüber hinaus arbeitet der Vorstand an einer möglichen Digitalisierung des AK-Geschenkschecks. Guido Zeller berichtete, dass hierzu noch zahlreiche Gespräche und Entscheidungen notwendig seien. Er hoffe jedoch, dass sich das Vorhaben im Laufe des kommenden Jahres konkretisieren werde. Damit könnte das bewährte Gutscheinsystem künftig um eine zeitgemäße digitale Variante ergänzt werden.
Wirtschaftsreferent Bauer: Kaufbeuren wird von außen sehr positiv wahrgenommen
Den ausführlichsten Teil des Abends gestaltete Wirtschaftsreferent Andreas Bauer. Zum Einstieg berichtete er von einem Besuch einer Delegation aus Moldau, die sich am selben Tag in Kaufbeuren über kommunale Entwicklung und politische Strukturen informiert hatte. Die Gäste hätten sich bei einem Rundgang durch die Innenstadt besonders beeindruckt von der Lebendigkeit der Altstadt gezeigt. Sie seien überrascht gewesen, wie viele inhabergeführte Geschäfte es noch gebe und wie viel Betrieb selbst an einem gewöhnlichen Mittwochvormittag herrsche.
Bauer nutzte diese Erfahrung, um den anwesenden Einzelhändlern und Gewerbetreibenden Mut zu machen. Die positive Wahrnehmung von außen zeige, dass Kaufbeuren über Qualitäten verfüge, die andernorts keineswegs selbstverständlich seien. Auch Vertreter der Internationalen Bauausstellung und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit hätten diesen Eindruck bestätigt. Der Wirtschaftsreferent verband seinen Bericht mit einem ausdrücklichen Dank an die Aktionsgemeinschaft und die zahlreichen weiteren Initiativen.
Gerade in den vergangenen Jahren seien unterschiedliche Gruppen innerhalb der Altstadt stärker zusammengewachsen. Die Zusammenarbeit zwischen den Geschäftsleuten in der Ludwigstraße, am Hafenmarkt und in der Fußgängerzone habe sich deutlich intensiviert. „Es ist uns ein echtes großes Anliegen“, betonte Bauer mit Blick auf die Unterstützung durch die Stadt. Viele Projekte seien nur deshalb möglich geworden, weil sich Menschen zusammengeschlossen, Verantwortung übernommen und gemeinsam nach Lösungen gesucht hätten.
Stadtentwicklung: Neue Impulse rund um die Altstadt
Bauer ging anschließend auf verschiedene städtebauliche Entwicklungen ein, die langfristig auch dem Einzelhandel zugutekommen sollen. Ein wichtiges Ziel sei es, das Wohnen im Umfeld der Altstadt zu stärken. Zusätzliche Bewohner bedeuteten zugleich mehr potenzielle Kunden für die Geschäfte und gastronomischen Betriebe. Als Beispiel nannte er das geplante Wohnbauprojekt im Mühlbachviertel. Dort könnten neue Wohnungen entstehen und zugleich eine Verbindung vom Jordanpark in Richtung Altstadt geschaffen werden.
Auch bei der Spittelmühle gebe es eine erfreuliche Entwicklung. Bauer kündigte an diesem Abend bereits an, dass es gelungen sei, Interessenten für eine neue Nutzung des seit Jahrzehnten leerstehenden Gebäudes zu gewinnen. Weitere Perspektiven sieht er im Umfeld der ehemaligen Aktienbrauerei sowie beim Hauberisserhaus.
Ein positives Signal sei zudem die Sicherung des Hexenturms durch zwei Kaufbeurer Bürger, die das historische Gebäude erworben hätten. Damit bleibe der Turm erhalten und könne weiterhin unter anderem für Stadtführungen genutzt werden. Für Bauer zeigen diese Beispiele, dass sich trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen etwas bewege.
Parken und Verkehr: Stadt denkt über neue Regelungen nach
Ein Schwerpunkt des Vortrags war das Mobilitätskonzept der Stadt Kaufbeuren. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie die Altstadt künftig erreichbar bleiben und gleichzeitig vom Parksuchverkehr entlastet werden kann. Bauer berichtete, dass sich die Stadt in den vergangenen Jahren intensiv mit Verkehrsströmen, Ampelschaltungen, Fußgängerverbindungen und Parkmöglichkeiten beschäftigt habe.
Ein zentrales Ziel sei es, das Kurzzeitparken in der Altstadt zu stärken. Kunden sollen ihre Einkäufe und Besorgungen möglichst unkompliziert erledigen können. Wer länger bleiben möchte, soll dagegen verstärkt die Parkhäuser nutzen. Dazu wird über eine umfassendere Parkraumbewirtschaftung nachgedacht, die auch Bereiche außerhalb der Altstadt bis zum Bahnhof einbeziehen könnte. Die grundsätzliche Überlegung: Längeres Parken im Parkhaus soll günstiger sein als das Abstellen eines Fahrzeugs auf öffentlichen Stellplätzen. Dadurch könnte die Zahl der Fahrzeuge reduziert werden, die mehrfach durch die Altstadt fahren, um einen freien Parkplatz zu finden. Bauer machte allerdings deutlich, dass noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen wurden.
Insbesondere die Frage, wie lange Kurzzeitparken künftig möglich sein soll, müsse mit den Geschäftsleuten diskutiert werden. Je nach Branche gebe es unterschiedliche Bedürfnisse. Während für eine schnelle Besorgung möglicherweise 15 oder 20 Minuten ausreichten, benötigten andere Kunden deutlich mehr Zeit. Der Wirtschaftsreferent sprach sich deshalb für weitere Gespräche und gegebenenfalls auch zeitlich begrenzte Testphasen aus. „Vielleicht müssen wir es auch ausprobieren“, erklärte Bauer. Die Stadt wolle gemeinsam mit den Betroffenen einen Weg finden, der sowohl den Interessen des Einzelhandels als auch den Anforderungen an einen funktionierenden Verkehrsablauf gerecht werde. Eine weitere Beratung des Mobilitätskonzepts im Stadtrat ist nach seinen Angaben für die kommenden Monate vorgesehen.
Neues Parkhaus am Berliner Platz als mögliche Perspektive
Im Zusammenhang mit der Parksituation berichtete Bauer auch von Überlegungen für ein neues Parkhaus am Berliner Platz. Das bestehende Parkdeck sei baulich problematisch. Ein privater Interessent habe gegenüber der Stadt die Idee eingebracht, an dieser Stelle ein größeres Parkhaus zu errichten. Dadurch könnten zusätzliche Stellplätze entstehen, die sowohl der Altstadt als auch dem Hallenbad, dem Eisstadion und dem Bahnhof zugutekommen würden. Konkrete Beschlüsse oder eine gesicherte Umsetzung gebe es bislang nicht. Bauer bezeichnete die Überlegung dennoch als interessante Perspektive, um die Parksituation in diesem Bereich langfristig zu verbessern.
Mobile Bäume könnten dauerhaft ihren Platz finden
Auch die mobilen Bäume in der Innenstadt waren Thema des Vortrags. Nach Einschätzung von Bauer haben sich zahlreiche Standorte inzwischen bewährt. Die Bäume würden das Stadtbild aufwerten und seien für viele Bürgerinnen und Bürger zu einem vertrauten Bestandteil der Innenstadt geworden. Das bisherige Konzept dient auch dazu, mögliche Standorte für eine spätere dauerhafte Bepflanzung zu erproben. Langfristig könnten deshalb an geeigneten Stellen fest eingepflanzte Bäume entstehen. Allerdings seien dafür erhebliche Investitionen notwendig, insbesondere um im Untergrund ausreichend Platz für die Wurzeln zu schaffen. Die Stadt wolle deshalb zunächst weitere Erfahrungen sammeln und die Rückmeldungen der Einzelhändler berücksichtigen.
Angespannte Haushaltslage macht Zusammenarbeit umso wichtiger
Bauer sprach auch die schwierige finanzielle Situation der Stadt Kaufbeuren an. Die Belastungen durch verschiedene Pflichtaufgaben und Umlagen würden die Handlungsmöglichkeiten der Kommune erheblich einschränken. Damit werde es zunehmend schwieriger, wünschenswerte Maßnahmen zur Stadtgestaltung, zur Barrierefreiheit oder zur Aufwertung öffentlicher Plätze aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Gerade deshalb seien Kooperationen mit Unternehmen, Vereinen, Serviceclubs und anderen Organisationen besonders wertvoll. Als gelungenes Beispiel nannte Bauer erneut die mobilen Bäume, deren Finanzierung und Pflege durch mehrere Beteiligte ermöglicht werde. Sein Appell an die Versammlung: Trotz aller Schwierigkeiten solle man gemeinsam nach Lösungen suchen und die vorhandenen Möglichkeiten nutzen.
Fünfknopfturm: Spendenaktion und Diskussion über die Stadtterrasse
In der anschließenden Fragerunde wurde auch die geplante Neugestaltung des Umfelds am Fünfknopfturm angesprochen. Bauer berichtete, dass im Rahmen der laufenden Spenden- und Crowdfundingaktion bereits ein sechsstelliger Betrag zugesagt beziehungsweise teilweise eingegangen sei. Zugleich gebe es unterschiedliche Meinungen zur geplanten Gestaltung. Besonders die veröffentlichten Visualisierungen hätten intensive Diskussionen ausgelöst. Die Stadt wolle deshalb weiterhin informieren und mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen. Langfristig geht es bei dem Projekt nicht allein um den Fünfknopfturm und dessen unmittelbares Umfeld, sondern um die Idee einer attraktiven Stadtterrasse mit Blick über die Kaufbeurer Altstadt. Ein solcher Bereich könnte nach Bauers Vorstellung zu einem weiteren Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen werden.
Viel erreicht – und noch zahlreiche Ideen für die Zukunft
Zum Abschluss griff Guido Zeller die Ausführungen des Wirtschaftsreferenten auf. Er betonte, dass Kaufbeuren im Vergleich mit anderen Städten über eine bemerkenswert gute Ausgangslage verfüge. Dazu gehörten die vorhandene Einzelhandelsstruktur, die Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing, die Aktivitäten der Aktionsgemeinschaft und der AK-Geschenkscheck. „Wir haben es in der Hand“, erklärte Zeller mit Blick auf die weitere Entwicklung.
Gleichzeitig machte er deutlich, dass das Potenzial für zusätzliche Aktionen vorhanden sei. Denkbar seien beispielsweise weitere Veranstaltungen im Frühjahr. Allerdings stoße die ehrenamtlich organisierte Aktionsgemeinschaft mit ihren personellen und finanziellen Möglichkeiten zunehmend an Grenzen.
Die Jahreshauptversammlung zeigte dennoch, wie viele Projekte in Kaufbeuren durch die Zusammenarbeit von Einzelhandel, Stadtverwaltung und engagierten Bürgerinnen und Bürgern bereits verwirklicht werden konnten. Auch für die kommenden Jahre bleibt das gemeinsame Ziel bestehen: eine attraktive, gut erreichbare und lebendige Kaufbeurer Innenstadt.



















