Fünf Chöre, hochklassige Musik und bewegende Momente zum 50-jährigen Bestehen des BRK St. Georgshof – Günther Sigl und Rainer Polik sorgen für einen unvergesslichen Höhepunkt
Rettenbach am Auerberg. Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Weichberghalle kürzlich beim Benefizkonzert des BRK St. Georgshof im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums der Einrichtung. Unter dem Motto „5 Chöre – 1 Stimme für den guten Zweck“ erlebten die Besucherinnen und Besucher einen außergewöhnlichen Konzertabend mit hervorragendem Gesang, humorvollen Einlagen und bewegenden Momenten. Das Publikum zeigte sich von Beginn an begeistert und belohnte die Darbietungen immer wieder mit kräftigem Applaus. Moderator Claus Tenambergen führte durch den Abend und begrüßte zu Beginn die Ehrengäste. Unter ihnen waren Rettenbachs Bürgermeister Johannes Fischer, Gisela Streichert, Vorsitzende des BRK-Kreisverbandes Ostallgäu, BRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Hofmann sowie Günther Sigl von der Spider Murphy Gang samt Gattin.
Musikalische Vielfalt und beste Stimmung
Wie abwechslungsreich Chormusik sein kann, zeigten die fünf Ensembles mit ihren ganz unterschiedlichen Programmen. Den Auftakt gestaltete der Singkreis Ingenried unter der Leitung von Karin Garmeier. Mit schwungvollen und nachdenklichen Liedern, darunter „Have a Nice Day“ und „Artikel 1 – Gesungene Menschenrechte“, gelang ein stimmungsvoller Einstieg. Via Harmonie aus Schongau und Altenstadt beeindruckte anschließend mit anspruchsvollen Titeln von Toto über Céline Dion bis zur Rockballade „Dream On“. Die rund 20 Sängerinnen unter der Leitung von Andrea Goldmann präsentierten ihre Stücke auswendig und überzeugten mit ausdrucksstarkem Gesang. Dass auch ein traditioneller Kirchenchor musikalisch ganz andere Wege gehen kann, bewies der Kirchenchor Bidingen unter der Leitung von Eva Prielmann. Die Mischung aus klassischen und modernen Stücken kam beim Publikum bestens an.
Nach der Pause ging es unterhaltsam weiter. Der Männerchor Rettenbach unter der Leitung von Susi Hartmann, bei dem auch Bürgermeister Johannes Fischer mitsang, sorgte mit bekannten Melodien und gefühlvollen Passagen für beste Unterhaltung. Spätestens bei „Cordula Grün“ sang und klatschte das Publikum begeistert mit. Gemeinsam mit dem Frauenchor Sangtissima erklang anschließend „Solang’ man Träume noch leben kann“ – ein Lied, das wie geschaffen für diesen Abend war. Sangtissima setzte danach unter der Leitung von Susi und Maria Hartmann mit anspruchvollen, modernen Pop- und Rocktiteln weitere Akzente, die mit viel Applaus belohnt wurden.
Ob gefühlvolle Balladen, anspruchsvolle Arrangements oder schwungvolle Rhythmen: Die fünf Chöre überzeugten mit hohem gesanglichem Niveau, gelegentlichen humorvollen Einlagen und großer Ausdruckskraft. Auch die Natürlichkeit und die Freude der Mitwirkenden trugen dazu bei, dass der Funke immer wieder auf das Publikum übersprang.
Bilder des Abends. Fotos: Claus Tenambergen




























Ein Jubiläum und persönliche Lebensträume
Gisela Streichert, Vorsitzende des BRK-Kreisverbandes Ostallgäu, erinnerte in ihrem Grußwort an die Entwicklung des St. Georgshof und die Bedeutung der Einrichtung für Menschen mit psychischen Einschränkungen. Seit fünf Jahrzehnten stehen dort Unterstützung, persönliche Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe im Mittelpunkt.
Einen bewegenden Einblick in das Projekt „Lebensträume“, dem der Erlös des Benefizkonzerts zugutekommt, gab Franziska Stoll, Fachbereichsleiterin für aufsuchende Assistenz und Sozialpädagogische Familienhilfen. Seit 2011 haben sich rund 40 Menschen mit ihren persönlichen Wünschen und Vorstellungen auseinandergesetzt und diese unter anderem fotografisch darstellen lassen.
Stoll regte das Publikum dazu an, über die eigenen Lebensträume nachzudenken. Wie viel Kraft ein persönlicher Wunsch entwickeln kann, verdeutlichte sie mit der Geschichte einer jungen Frau, die unbedingt einmal mit Delfinen schwimmen wollte. Trotz erheblicher Herausforderungen konnte dieser Traum schließlich bei einer Reise nach Portugal verwirklicht werden. Die begleitende Fotoausstellung „Lebensträume“ gab den Konzertbesuchern weitere Einblicke in das Projekt.
Günther Sigl und Rainer Polik begeistern die Halle
Zu einem der emotionalen Höhepunkte wurde der gemeinsame Auftritt von Günther Sigl, Sänger der Spider Murphy Gang, und Rainer Polik, Bewohner in der besonderen Wohnform des St. Georgshof. Für Polik erfüllte sich damit ein lang gehegter Wunsch. Bereits 2013 hatte er bei einem Konzert der Spider Murphy Gang den Kontakt zu seinem musikalischen Vorbild gesucht, weil er unbedingt einmal mit ihm singen wollte. Bei dieser Begegnung entstand dann auch das Lebenstraum Foto: Rainer Polik und Günther Sigl als Rochstars.
In der Weichberghalle präsentierten die beiden Lieder wie „Unterm Flauchersteg“, „Sommer in der Stadt“ und „Herzklopfen“. Rainer Polik überzeugte mit gesanglichem Können und einer natürlichen Bühnenpräsenz. Günther Sigl zeigte sich als ausgesprochen sympathischer, humorvoller und bodenständiger Künstler, der mit persönlichen Geschichten und spontanen Bemerkungen immer wieder für Lacher sorgte.
Das Publikum klatschte begeistert mit und wollte die beiden Musiker schließlich gar nicht mehr von der Bühne lassen. Die lautstarken Zugaberufe blieben nicht ungehört: Mit dem Spider-Murphy-Gang-Klassiker „Schickeria“ bedankten sich Sigl und Polik für den herzlichen Empfang.
Bemerkenswert war die Selbstverständlichkeit, mit der die beiden gemeinsam auftraten. Zwei Menschen, die ihre Leidenschaft für Musik teilten und damit die gesamte Halle erreichten. Sigl betonte zudem, wie wichtig ihm Veranstaltungen seien, bei denen Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen zusammenkommen.
Joachim Lipp: „Ein himmlischer Hochgenuss“
Am Ende des Konzerts zeigte sich Einrichtungsleiter Joachim Lipp überaus zufrieden. „Für mich war es ein himmlischer Hochgenuss heute Abend“, erklärte er sichtlich bewegt. Die musikalischen Beiträge seien wunderschön und teilweise sehr emotional gewesen. Er werde diesen Abend noch lange in Erinnerung behalten und wahrscheinlich sogar seinen Enkelkindern davon erzählen.
Lipp dankte den Chören und ihren Leiterinnen sowie allen, die vor und hinter den Kulissen zum Gelingen beigetragen hatten. Sein Dank galt insbesondere den Mitarbeitenden, Bewohnerinnen und Bewohnern des St. Georgshof sowie Bürgermeister Johannes Fischer und der Gemeinde Rettenbach für die kostenlose Bereitstellung der Halle.
Gemeinsames Finale als krönender Abschluss
Zum großen Finale versammelten sich alle fünf Chöre gemeinsam mit Günther Sigl und Rainer Polik auf der Bühne. Mit dem Spider-Murphy-Gang-Song „Sch-Bum“ sorgten sie für einen mitreißenden Abschluss. Die vielen Stimmen, die Freude am gemeinsamen Musizieren und der lang anhaltende Applaus des Publikums bildeten einen würdigen Schlusspunkt.
So endete ein außergewöhnlicher Konzertabend, der weit über die Darbietungen auf der Bühne hinausging. Er zeigte auf eindrucksvolle Weise, wie Musik Menschen verbindet, Gemeinschaft entstehen lässt und persönliche Lebensträume Wirklichkeit werden können.


















