Rund 1.000 Besucher erleben in der energie schwaben arena eine Neuinszenierung mit einer klar erzählten Geschichte, eindrucksvoller Musik, starken Stimmen und innovativer Bühnentechnik
Draußen zeigt das Thermometer hochsommerliche Temperaturen, drinnen bietet die angenehm klimatisierte energie schwaben arena beste Voraussetzungen für einen langen Musicalabend. Nach und nach füllen sich die Plätze. Dann wird es still. Das Licht dimmt sich, die ersten Töne von „Das Rad der Zeit“ erklingen. Rockband, Blasorchester und Chor eröffnen kraftvoll die Premiere von „HERILO – Das Rad dreht sich weiter“. Bereits der Auftaktsong wird mit lang anhaltendem Applaus belohnt und zeigt, dass der Funke vom ersten Moment an auf das Publikum überspringt.
Das vollständig neu geschriebene Drehbuch erzählt keine Fortsetzung des Vorjahres, sondern entwickelt eine eigenständige Geschichte. Die Zeitreisen zwischen Mittelalter, Woodstock und Gegenwart verbinden historische Ereignisse mit aktuellen Fragen. Immer wieder wird Herilo, überzeugend gespielt und gesungen von Danny Wohlrab, vor Entscheidungen zwischen Krieg und Frieden, dem Bösen und der Liebe gestellt. Der Teufel Mister Nice, eindrucksvoll verkörpert von Eugen Schreiner, versucht ihn auf die Seite des Bösen zu ziehen. Im Mittelalter soll ihn die Fürstenfamilie für ihre Interessen gewinnen, während ihn die Woodstock-Zeit mit den Gegensätzen von Krieg und Frieden konfrontiert. In der Gegenwart verfolgen die Figuren das gemeinsame Ziel, die zerstörte Sonne wieder aufzubauen. Sie wird zum Symbol dafür, dass Menschen aus ihren Fehlern lernen, Versöhnung möglich ist und gemeinsam etwas Neues entstehen kann.
Auch Herilos persönliche Geschichte bleibt nicht ohne Konflikte. Seine Liebe zu Maria, einfühlsam gespielt und gesungen von Julia Haug, gerät durch seine inneren Zweifel ins Wanken. Gerade diese ruhigen Momente verleihen der Handlung emotionale Tiefe. Nach der Premiere loben viele Besucher vor allem den klaren roten Faden. Trotz der verschiedenen Zeitebenen sei die Geschichte jederzeit gut nachvollziehbar und deutlich schlüssiger als im Vorjahr.
Impressionen der Aufführungen






















Von der ersten bis zur letzten Szene ist die Musik der Taktgeber des Abends. Die Kompositionen von Christian „Adi“ Adolf reichen von kraftvollen Rocksongs bis zu gefühlvollen Balladen. Gemeinsam mit Rockband, Hirschzeller Blasorchester und Chor entsteht ein abwechslungsreicher Sound, der die Geschichte eindrucksvoll begleitet. Markante Gitarrensoli von Frank Pané setzen dabei immer wieder rockige Akzente und prägen den unverwechselbaren Sound des Musicals. Die Musik begeistert das Publikum während des gesamten Abends. Immer wieder erhalten die Songs großen Beifall. Ob kraftvolle, rockige Ensemble-Nummern oder gefühlvolle Balladen – das Publikum geht hörbar mit. Ein besonderer Moment entsteht in der Woodstock-Ebene, als die beiden Engel Sylke Rödiger und Mona Steiger einen bluesigen Song anstimmen und das Tanzensemble die Atmosphäre der späten 1960er-Jahre aufgreift. Zahlreiche Besucher klatschen im Takt mit.
Neben Danny Wohlrab, Julia Haug und Eugen Schreiner setzen auch Dan Lucas, Lydia Pané, Thomas Wohlfart, Melanie Gallien sowie die weiteren Solistinnen und Solisten gemeinsam mit dem Chor immer wieder gesangliche Akzente. Bemerkenswert ist dabei, dass nicht nur die Hauptrollen, sondern nahezu alle besetzten Figuren gesanglich auf hohem Niveau überzeugen.
Zur Wirkung des Abends trägt auch die neue Bühnengestaltung wesentlich bei. Die veränderte Anordnung der Bühne rückt viele Besucher deutlich näher an das Geschehen heran und sorgt für eine intensivere Atmosphäre. Gemeinsam mit der großflächigen LED-Wand entstehen eindrucksvolle Bilder, die das Publikum mit detailreichen Projektionen durch die verschiedenen Zeitebenen führen. Licht, Bühne und Videotechnik greifen dabei nahtlos ineinander, ohne die Handlung zu überlagern.
Mehr als 80 Mitwirkende stehen an diesem Abend auf der Bühne. Produzenten Katharina und Wolfgang Wiedemann ist es gemeinsam mit Produktionsleiter Markus Mölzer und dem gesamten Organisationsteam erneut gelungen, professionelle Musicaldarsteller, ehrenamtliche Musikerinnen und Musiker sowie zahlreiche Mitwirkende aus der Region zu einem stimmigen Ensemble zusammenzuführen.
Besonders beeindruckt zeigt sich nach der Premiere auch Kabarettist und Comedian Wolfgang Krebs. HERILO sei für ihn „ein absolutes kulturelles Highlight“. Vor allem das Zusammenspiel der professionellen Musicaldarsteller, der weiteren Solistinnen und Solisten sowie der Musikerinnen und Musiker des Hirschzeller Blasorchesters habe ihn begeistert. „Drei Stunden Programm auf diesem Niveau – getragen von Menschen, die mit großer Freude Musik machen – das ist außergewöhnlich“, sagt Krebs. Gerade in einer Zeit, in der Kultur häufig totgeschrieben werde, sei ein Projekt wie HERILO ein Mutmacher. „Dass so etwas im oftmals unterschätzten Kaufbeuren auf die Beine gestellt wird, freut mich ganz besonders.“
Auch Oberbürgermeister Stefan Bosse zeigt sich beeindruckt. Besonders die starken Stimmen, die Choreografien sowie das Zusammenspiel von Blasorchester und Rockband hätten ihn überzeugt. ASM-Präsident Franz-Josef Pschierer spricht von einem „musikalischen Gesamtkunstwerk“ und hebt die außergewöhnliche Verbindung von Rockmusik und sinfonischer Blasmusik hervor. Bernhard Pohl, Mitglied des Bayerischen Landtags, würdigt insbesondere das ehrenamtliche Engagement des Hirschzeller Blasorchesters, dessen Musikerinnen und Musiker die mehr als dreistündige Aufführung musikalisch mittragen.
Mit dem Schlussbild gibt es Standing Ovations in der gesamten Arena. Lang anhaltender Applaus belohnt alle Mitwirkenden für einen Premierenabend, der Lust auf die vier weiteren Vorstellungen macht. Hinter der Bühne weicht die Anspannung der vergangenen Monate sichtbarer Erleichterung. Darsteller, Musiker, Techniker und Helfer feiern gemeinsam eine gelungene Premiere.
Weitere Aufführungen folgen am 2., 3., 4. und 5. Juli.
Tickets und weitere Informationen gibt es unter www.herilo.de/tickets.



















