Digitalisierungsschub in der Wirtschaft bleibt aus

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Die Unternehmen stellen sich in Sachen Digitalisierung nur ein befriedigendes Zeugnis aus. Bei der IT-Sicherheit steigt die Sensibilität

Die bayerisch-schwäbische Unternehmerschaft bewertet den Stand der Digitalisierung in ihren Betrieben als befriedigend. Damit bleibt die Selbsteinschätzung der heimischen Wirtschaft mit der Schulnote 3,1 im Vergleich zum Vorjahr (3,0) fast unverändert. Das ergab die Digitalisierungsumfrage der IHK-Organisation, deren regionale Auswertung nun vorliegt.

„Der Digitalisierungsschub bleibt weiter aus“, sagt Tatjana Hübner vom Team Wirtschaftsforschung der IHK Schwaben. „Die multiplen Krisen in den vergangen Jahren hatten für die Unternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen Priorität. Da blieb wenig Zeit und Geld für Investitionen in die Digitalisierung.“ Beim genauen Blick auf die Umfrageergebnisse ergibt sich ein differenziertes Bild. Demnach bewerten 29 Prozent der Unternehmen den Stand der Digitalisierung als gut oder sehr gut. Nimmt man die Bewertung „befriedigend“ noch hinzu, stellen sich mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Unternehmen ein überwiegend positives Zeugnis aus.

Dienstleister stark digitalisiert, Industrie mit Luft nach oben
Im Vergleich der Branchen stechen besonders die Dienstleister hervor. „Aufgrund ihrer starken Serviceorientierung ist die Digitalisierung in der Dienstleistungsbranche am stärksten“, berichtet Hübner. 40 Prozent der Dienstleister bewerten ihre Digitalisierung als sehr gut oder gut. Beim Handel zeigt sich eine positive Entwicklung, auch aufgrund des voranschreitenden Online-Handels. Hier verbessert sich die Durchschnittsnote von 3,3 auf 3,1. In der Industrie hingegen werden die Unternehmen negativer in ihrer Einschätzung. So gibt es nur bei zehn Prozent der Unternehmen eine Bewertung von gut oder sehr gut, nahezu die Hälfte (46 Prozent) nennt den Stand der eigenen Digitalisierung ausreichend.

Hauptmotiv bleibt die Flexibilisierung
Bei den Motiven für die Digitalisierung zeigen sich wenige Veränderungen. Die Unternehmen wollen vor allem ihren Prozesse flexibilisieren (72 Prozent), die Kosten senken (45 Prozent) und Kunden binden (44 Prozent). „Je nach Branche und Unternehmensgröße variieren die Gründe“, erklärt Hübner. „So ist die Flexibilisierung besonders ein Thema für große und mittlere Unternehmen, kleine Betriebe setzen eher auf die Kundenbindung, etwa über Social Media.“

Sensibilität für IT-Sicherheit steigt, Lücken gibt es weiterhin
Bei der IT-Sicherheit zeigen sich Licht und Schatten. „Wir stellen ein steigendes Bewusstsein für die Bedeutung von Cybersicherheit fest“, meint Niklas Gouverneur vom Team Wirtschaftsforschung der IHK Schwaben. So führen fast alle Unternehmen Backups durch (94 Prozent), die allermeisten aktualisieren auch ihre Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig (83 Prozent). „Doch gerade in Sachen Notfallplan sehen wir einen starken Nachholbedarf bei den Unternehmen. Im Handel haben gerade einmal 20 Prozent einen Notfall-Plan in der Schublade. Das ist deutlich zu wenig.“, erklärt Gouverneur.

Politik und Eigeninitiative gefragt
Das befriedigende Zeugnis ist aus Sicht der IHK-Fachleute aber kein Grund für Pessimismus. „Wir registrieren eine steigende Nachfrage bei unseren Angeboten rund um Digitalisierung – gerade auch beim Thema IT-Sicherheit. Hier müssen wir weiter ansetzen“, ist sich Gouverneur sicher. So informiert die IHK beispielsweise rund um Fördermittel und Ansprechpartner im Bereich Digitalisierung. Das ist laut Umfrage auch das, was die Unternehmen von der Politik fordern. So wünschst sich die Wirtschaft besseren Zugang zu Fördermitteln (43 Prozent) und mehr Unterstützung bei der Daten- und Informationssicherheit (36 Prozent). Größte Forderung bleibt aber weiterhin: der Ausbau der Breitbandinfrastruktur (62 Prozent). „Die Anbindung ans Breitband ist besser geworden, aber noch immer nicht in allen Gewerbegebieten in der Region in der nötigen Qualität angekommen. Das sollte die Politik in Kürze beheben“, stellt Gouverneur klar.

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