Teil 2 der Artikelserie „Wohnraum ist ein Menschenrecht“ – Grafik: KI generiert
Nach Flucht und Jahren der Unsicherheit findet eine junge Mutter aus Eritrea mit ihren Kindern in Kaufbeuren ein Zuhause. Ihre Geschichte zeigt, warum eine eigene Wohnung weit mehr bedeutet als nur ein Dach über dem Kopf.
Eine junge Mutter aus Eritrea erzählt, warum eine eigene Wohnung für sie mehr bedeutet als nur ein Dach über dem Kopf.
Menschen aus Eritrea verlassen ihre Heimat meist nicht freiwillig. Das ostafrikanische Land gilt seit Jahren als eines der repressivsten Regime der Welt. Es gibt keine freien Wahlen, keine unabhängigen Medien und kaum Möglichkeiten, das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten. Der sogenannte Nationaldienst ist zeitlich unbegrenzt und kann sich über Jahrzehnte erstrecken. Wer sich widersetzt, riskiert Gefängnis oder Gewalt. Besonders junge Menschen und Frauen leben in ständiger Unsicherheit.
Auch Selam – ihr Name wurde zum Schutz ihrer Privatsphäre geändert – sah für sich und ihr Kind keine Zukunft mehr in diesem System. Als alleinerziehende Mutter entschied sie sich, ihre Heimat zu verlassen.
„Ich wollte nur, dass mein Kind ohne Angst aufwachsen kann“, sagt sie heute.
Ihre Flucht führte sie zunächst in den Sudan. Doch auch dort fand sie keinen dauerhaften Schutz. Viele Geflüchtete aus Eritrea leben in Khartum ohne gesicherten Aufenthaltsstatus, ohne Zugang zu regulärer Arbeit und ohne soziale Absicherung. Für alleinstehende Frauen mit Kindern ist die Situation besonders schwierig.
Als sich die Lage weiter verschlechterte, entschied sich Selam für den gefährlichsten Schritt ihrer Reise: die Überfahrt über das Mittelmeer. Mit ihrem kleinen Kind bestieg sie ein Boot Richtung Europa.
„Ich hatte große Angst auf dem Meer. Aber ich wusste, dass wir sonst keine Zukunft haben.“
Nach ihrer Ankunft in Deutschland führte ihr Weg schließlich nach Kaufbeuren. Doch auch hier begann zunächst eine Zeit voller Unsicherheit. Neben Sprachbarrieren und komplizierten Behördenwegen stellte sich vor allem die Suche nach bezahlbarem Wohnraum als große Herausforderung heraus – ein Problem, das viele Geflüchtete, aber auch zahlreiche Einheimische betrifft.
Durch die Unterstützung der Stiftung Nächstenliebe in Aktion fand sie Begleitung im Alltag: Hilfe bei Behördenangelegenheiten, Arztterminen und Anträgen sowie Unterstützung bei der Organisation der Kinderbetreuung. Im Family Center Neugablonz besuchte sie außerdem das Sprachangebot „Wir sprechen Deutsch“, lernte neue Menschen kennen und konnte erste Schritte in der neuen Gesellschaft gehen.
Ein entscheidender Wendepunkt kam mit der Zusage für eine eigene Wohnung. Nach langer Suche fand Selam schließlich ein Zuhause, in dem sie und ihre Kinder zur Ruhe kommen konnten.
„Als ich den Schlüssel für unsere Wohnung bekommen habe, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.“
Heute lebt Selam mit ihren beiden Kindern in Kaufbeuren und arbeitet als Reinigungskraft in einem Pflegeheim. Schritt für Schritt baut sie sich ein neues Leben auf. Sie besucht weiterhin Begegnungsangebote im Family Center, lernt Deutsch und bleibt in engem Kontakt mit der Stiftung, die sie seit mehreren Jahren begleitet.
Selams Geschichte zeigt, welche zentrale Rolle Wohnraum für Integration spielt. Ohne eine eigene Wohnung bleibt vieles provisorisch: Arbeit, Kinderbetreuung, soziale Kontakte und das Gefühl von Sicherheit. Ein Zuhause ist mehr als ein Dach über dem Kopf – es ist die Grundlage für Stabilität und Zukunftsperspektiven.
Gerade in Städten wie Kaufbeuren, in denen bezahlbarer Wohnraum knapp ist, wird diese Herausforderung besonders deutlich – für Geflüchtete ebenso wie für viele andere Menschen auf Wohnungssuche.
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Infobox: Stiftung Nächstenliebe in Aktion
Die Stiftung Nächstenliebe in Aktion engagiert sich in Neugablonz und Umgebung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Mit dem Family Center, dem Family Store und verschiedenen sozialen Angeboten schafft sie Orte der Begegnung, praktischen Hilfe und Ermutigung.
Wenn Sie eine Wohnung anbieten können, melden Sie sich gerne bei::
Wolfgang Groß
Vorstandsvorsitzender
Stiftung Nächstenliebe in Aktion
Telefon: 0151 71993474
E-Mail: wohnraumangebot@icloud.com
WEB: www.nia-stiftung.org



















