„Glück kann man sich erarbeiten“ – ESVK TOP-100-Netzwerk erlebt kurzweiligen Abend in der Schauburg 

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v.l. Sebastian Buchwieser, Claus Tenambergen. Foto: Philippe Bader

Interessante Einblicke, offene Gespräche mit Sebastian Buchwieser und Max Renner und viel Zeit zum persönlichen Austausch

Ein besonderer Veranstaltungsort, interessante Einblicke rund um den ESV Kaufbeuren und vor allem viele persönliche Gespräche: Zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer des ESVK TOP-100-Netzwerks kamen am Dienstagabend zum Netzwerktreffen in der Schauburg im Gebäude der Kulturwerkstatt Kaufbeuren zusammen.

Nach der Begrüßung durch Moderator Claus Tenambergen stellte Schauburg-Betriebsleiterin Simone Klinger den Gästen die inklusive Gastronomie und das besondere Konzept dahinter vor. In der Schauburg arbeiten Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam auf dem ersten Arbeitsmarkt. Trägerin der gemeinnützigen GmbH „Blaue Paprika“ ist die Lebenshilfe Kaufbeuren-Ostallgäu e.V.. Klinger berichtete zudem über die Entstehung der Schauburg und die enge Verbindung zur benachbarten Kulturwerkstatt.

Dass die Schauburg nicht nur gastronomischer Treffpunkt sein möchte, machte Klinger ebenfalls deutlich. Neben dem täglichen Betrieb bietet sie Raum für Betriebs- und Weihnachtsfeiern, Geburtstage und Jubiläen sowie für Lesungen, Film- und Quizabende. Mit ihrer sympathischen und informativen Vorstellung gab die Betriebsleiterin den Gästen einen Einblick in einen noch jungen Kaufbeurer Gastronomiebetrieb, bei dem Inklusion ganz selbstverständlich zum Arbeitsalltag gehört.

Einen Blick auf die Entstehung des Gebäudes aus architektonischer Sicht gab anschließend Christian Stadtmüller vom Kaufbeurer Architekturbüro Stadtmüller Burkhardt Graf. Er berichtete von einem außergewöhnlich intensiven Projekt und der engen Verbindung seines Büros zur Kulturwerkstatt und zur Lebenshilfe. Auch das komplette Design der Schauburg stammt aus dem Kaufbeurer Büro.

Sebastian Buchwieser: „Druck ist eigentlich etwas Schönes“

Sportlich wurde es anschließend beim ausführlichen Gespräch von Moderator Claus Tenambergen mit ESVK-Cheftrainer Sebastian Buchwieser. Dabei ging es um weit mehr als die jüngsten Ergebnisse. Seine ersten Monate in Kaufbeuren, die Besonderheiten der Oberliga, die Entwicklung der neu zusammengestellten Mannschaft, die Nachwuchsarbeit und der Umgang mit der hohen Erwartungshaltung rund um den ESVK waren Themen des offenen Interviews.

Buchwieser machte dabei deutlich, wie wichtig ihm die Kaufbeurer Nachwuchsarbeit ist. Das Niveau habe ihn beeindruckt. Er sehe sich selbst in der Pflicht, ambitionierten Nachwuchsspielern Chancen in der ersten Mannschaft zu geben – auch mit dem Wissen, dass junge Spieler Fehler machen werden. Ziel müsse es sein, sie mittelfristig zu Leistungsträgern der ersten Mannschaft zu entwickeln.

Tenambergen wollte von dem mehrfach ausgezeichneten Trainer auch wissen, weshalb er sich nach seiner erfolgreichen Zeit in Weiden ausgerechnet für die schwierige Aufgabe beim Absteiger ESV Kaufbeuren entschieden hatte. Für Buchwieser waren mehrere Faktoren ausschlaggebend. „Der ESVK ist für mich immer noch mit einem klangvollen Namen ausgestattet“, sagte der Coach und verwies auf die Tradition und die vielen Spieler, die der Verein hervorgebracht hat. Nach einer sportlich schwierigen Saison bestehe zudem die Chance, Dinge zu verändern. Die Verantwortlichen hätten sich intensiv um ihn bemüht und ihm Zukunftsperspektiven aufgezeigt, an die er weiterhin glaube. Er hoffe, seinen Teil dazu beitragen zu können, „den ESVK wieder dahin zu bringen, wo er letztendlich auch im Eishockey-Deutschland hingehört“.

Ausführlich wurde auch über den Start in die Oberliga gesprochen. Buchwieser machte deutlich, dass die Spielklasse für ihn keine Ausrede für Anpassungsprobleme sein könne. „Es ist immer noch Eishockey – Oberliga, DEL, Bezirksliga, es geht um Eishockey.“ Die Mannschaft müsse unabhängig vom Niveau in jedem Training und insbesondere in jedem Spiel ihre bestmögliche Leistung abrufen.

Auf die Heimniederlage gegen Erding und die Reaktionen von den Rängen angesprochen, ordnete Buchwieser die Partie differenziert ein und verwies darauf, dass eine neu zusammengestellte Mannschaft zunächst auch mentale Stabilität entwickeln müsse. Gleichzeitig zeigte er Verständnis dafür, dass die Anhänger ihre Meinung äußern. Besonders beeindruckend sei auf der anderen Seite die große Unterstützung bei den folgenden Spielen gewesen. Für den Trainer gehört die hohe Erwartungshaltung ohnehin zum Profisport.

„Druck, das ist ja das Schöne am Eishockey oder am Profisport“, sagte Buchwieser. Schließlich sei den Menschen eben nicht egal, was auf dem Eis passiere. Entscheidend sei, dass seine Mannschaft lerne, mit dieser Erwartung umzugehen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, die Mitspieler und den Trainerstab zu entwickeln und unabhängig vom Spielstand ihren Weg weiterzugehen. „Dann ist Druck eigentlich etwas Schönes.“

Dass dieser Lernprozess bereits Wirkung zeigt, sah Buchwieser beim 4:3-Heimerfolg gegen Deggendorf. Nach einem Rückstand sei die Mannschaft ruhig geblieben und habe ihren Weg weiterverfolgt. Gerade für das Selbstvertrauen sei es wichtig zu wissen, dass man auch gegen eine starke Mannschaft einen Rückstand noch drehen könne.

Bei der Frage nach den beiden jungen Torhütern ließ sich Buchwieser nicht zu einer vorschnellen Festlegung bewegen. Sein Credo laute: „Entscheide dich erst, wenn du dich entscheiden musst.“ Beide Torhüter seien junge, aufstrebende deutsche Talente, die sehr ambitioniert arbeiteten. Eine klare Nummer eins gebe es derzeit nicht – die Einsatzzeiten sollen sich weiterhin nach den Leistungen richten.

Max Renner: Erfahrung, Führungsstärke und klare Vorstellungen

Nach dem Trainer stand mit Max Renner der Kapitän des ESVK im Mittelpunkt. Der 34-Jährige blickt auf mehr als 800 Profispiele und viele Jahre in DEL und DEL2 zurück. Das Gespräch zeigte aber nicht nur den erfahrenen Eishockeyprofi, sondern auch einen sympathischen und humorvollen Menschen, der sich in Kaufbeuren bereits wohlfühlt.

Tenambergen wollte zunächst wissen, was einen langjährigen DEL-Spieler dazu bewegt, den Weg zum ESVK in die Oberliga anzutreten. Renner berichtete von den Gesprächen mit Sebastian Buchwieser, dessen Vorstellungen und Philosophie ihm gefallen hätten. Gleichzeitig sei ihm wichtig gewesen, in Bayern zu bleiben. Und auch die sportliche Perspektive spielte eine entscheidende Rolle. „Meiner Meinung nach gehört der Verein auch nicht in die Oberliga“, stellte Renner klar. Das Thema Aufstieg sei dabei sogar eher von ihm selbst gekommen: „Man spielt ja auch gerne, um etwas zu gewinnen. Es macht auch Spaß, eine Meisterschaft zu gewinnen.“
Klare Vorstellungen hat Renner davon, was er von sich selbst und seinen Mitspielern erwartet. Auf die Frage, was die über ihn zitierte Haltung bedeute, keine Ausreden gelten zu lassen, antwortete der Kapitän sehr deutlich. Ungewohnte Stadien, Gegner oder äußere Bedingungen dürften keinen Einfluss auf die eigene Einstellung haben: „Man muss jedes Spiel 100, 110 Prozent geben.“ Schließlich sei Eishockey für die Spieler ihr Beruf.

Interessant war auch Renners Blick auf die ersten Wochen in der Oberliga. Manche Gegner würden gegen Kaufbeuren sehr defensiv agieren, Scheiben konsequent aus der eigenen Zone spielen und auf Konter lauern. Darauf müsse sich die Mannschaft besser einstellen. Gegen Erding habe man zu offensiv gedacht und dadurch zu viele Kontermöglichkeiten zugelassen. Das erfolgreiche Wochenende zuvor habe gezeigt, dass die Mannschaft daraus bereits gelernt habe.

Mit Rosenheim und Bietigheim hat Renner bereits erlebt, wie sich Meisterschaften und Aufstiege anfühlen. Eine Garantie für den Erfolg gebe es deshalb aber keineswegs. „Die Saison ist lang“, betonte der Kapitän. Entscheidend sei, möglichst konstant zu spielen, als Mannschaft aufzutreten und immer hart zu arbeiten. Einen Satz eines früheren Trainers habe er sich dabei besonders gemerkt: „Glück kann man sich erarbeiten.“

Auf die aktuelle Mannschaft bezogen zeigte sich Renner überzeugt: „Qualitativ haben wir eine gute Mannschaft. Und wenn wir alles umsetzen, dann haben wir einen erfolgreichen Weg vor uns.“

Im weiteren Verlauf wurde das Gespräch persönlicher. Renner erzählte von seiner Nachwuchszeit in Rosenheim und verriet, dass er mit 13 Jahren sogar für ein Jahr mit dem Eishockey aufgehört hatte. Nach seiner Rückkehr entwickelte sich der Sport schließlich zum Beruf. Über Rosenheim führte sein Weg nach Straubing, Bietigheim und Augsburg. Mit Bietigheim feierte er die DEL2-Meisterschaft und den Aufstieg in die DEL.

In Kaufbeuren ist der gebürtige Rosenheimer mittlerweile gut angekommen. Seine Familie lebt derzeit noch in der Heimat, Renner selbst wohnt in Kaufbeuren. Besonders die kurzen Wege und die Altstadt gefallen ihm. Auch über seinen neuen Verein fand er positive Worte: „Der Verein ist super. Die Mitspieler sind toll. Das Coaches-Team ist klasse.“ Nach zwei Monaten könne er über Kaufbeuren und sein neues Umfeld bislang „nur Positives“ berichten.

Führung durch die Kulturwerkstatt und viele persönliche Gespräche

Nach dem offiziellen Programm stand das im TOP-100-Netzwerk traditionell wichtige persönliche Miteinander im Mittelpunkt. Bei Essen und Getränken nutzten die Unternehmerinnen und Unternehmer ausgiebig die Gelegenheit, bestehende Kontakte zu pflegen, neue zu knüpfen und sich in entspannter Atmosphäre auszutauschen.

Auf großes Interesse stieß auch die anschließende Führung durch die Kulturwerkstatt. Zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit, gemeinsam mit Simone Klinger und Christian Stadtmüller die Räumlichkeiten des Kinder- und Jugendtheaters kennenzulernen. Die informativen Einblicke in das Gebäude, seine Entstehung und seine vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten beeindruckten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Bis gegen 22 Uhr blieben viele Gäste in der Schauburg zusammen. Damit zeigte das Netzwerktreffen einmal mehr, was den ESVK TOP-100 Club neben der Unterstützung des Kaufbeurer Eishockeys auszeichnet: Unternehmen und Persönlichkeiten aus der Region, die sich kennen, miteinander im Austausch stehen und gerne gemeinsam Zeit verbringen.

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