Grafik: KI generiert
Mit 20 Jahren obdachlos – mitten unter uns!
Mit 20 Jahren sollte das Leben eigentlich vor einem liegen. Doch für manche junge Menschen beginnt das Erwachsenenleben nicht mit Hoffnung und Aufbruch, sondern mit der bangen Frage, wo sie die nächste Nacht schlafen sollen. Die Wohnungsnot in Kaufbeuren und im Ostallgäu trifft längst nicht mehr nur Familien oder Menschen in klassischen Notlagen. Sie trifft zunehmend auch junge Erwachsene, die trotz Ausbildung, Einsatz und dem Wunsch nach einem geregelten Leben keinen Platz zum Wohnen finden.
Ein aktueller Fall aus der Region zeigt auf bedrückende Weise, wie schnell ein junger Mensch in existenzielle Not geraten kann. Eine 20-jährige Auszubildende aus schwierigen familiären Verhältnissen hatte über längere Zeit keinen festen Wohnsitz. Die Eltern leben getrennt, verlässlichen Rückhalt aus der Familie gab es nicht. Vorübergehend kam sie bei einer älteren Angehörigen unter, die selbst in einer betreuten Wohnform lebte. Dort schlief sie auf dem Sofa – ohne eigenen Raum, ohne Sicherheit und ohne eine feste Adresse.
Doch selbst diese fragile Notlösung hielt nicht dauerhaft. Als sich der Gesundheitszustand der älteren Frau verschlechterte, musste diese in eine Pflegeeinrichtung umziehen. Für die junge Auszubildende brach damit von einem Tag auf den anderen der letzte provisorische Halt weg.
Was folgte, war die verzweifelte Suche nach einem Zimmer oder einer kleinen Wohnung. Zahlreiche Anfragen bei Vermietern, sozialen Trägern und Beratungsstellen blieben ohne Erfolg. Kleine Wohnungen sind knapp, die Mieten hoch, und wer jung ist, wenig verdient und keine finanziellen Sicherheiten vorweisen kann, hat auf dem angespannten Wohnungsmarkt oft kaum eine Chance. Am Ende blieb der 20-Jährigen nur der Weg in eine städtische Notunterkunft.
Gerade für junge Menschen ist das ein erschütternder Einschnitt. Während andere in diesem Alter Pläne schmieden, Freundschaften pflegen und Schritt für Schritt in ein selbstständiges Leben hineinwachsen, geraten Betroffene in einen Alltag voller Angst, Unsicherheit und Scham. Es geht dann nicht mehr um Zukunftsträume, sondern um das nackte Bedürfnis nach Schutz und einem sicheren Ort.
Fachstellen berichten, dass solche Schicksale längst keine Ausnahme mehr sind. Besonders junge Erwachsene ohne familiären Rückhalt geraten immer häufiger zwischen alle Systeme. Sozialverbände fordern deshalb seit Jahren mehr kleine, bezahlbare Wohnungen und gezielte Hilfen für junge Menschen in schwierigen Lebenslagen.
Denn Wohnungsnot ist nie nur ein Mangel an Quadratmetern. Sie raubt Halt, Würde und Perspektive – und sie trifft immer öfter Menschen, die eigentlich erst am Anfang ihres Lebens stehen.
Infobox: JUST BEst – Jugend stärken, Brücken in die Eigenständigkeit
Das Projekt JUST BEst unterstützt junge Menschen auf ihrem Weg in ein selbstständiges Leben. Gerade beim Übergang in Ausbildung, Beruf und eigene Wohnung brauchen Jugendliche und junge Erwachsene verlässliche Begleitung, praktische Unterstützung und ermutigende Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner.
Wenn Sie jungen Menschen eine Wohnung anbieten können, melden Sie sich gerne bei:
Elisabeth Sosonow
Seminarleitung SIU – Koordinierungsstelle JUST Best
bfz gGmbH Kempten, Aussenstelle Marktoberdorf
Telefon: 08342 9689-12
E-Mail: elisabeth.sosonow@bfz.de
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