713 neue Ausbildungsverträge zum 1. Oktober – Ausbildungsmarkt bleibt in Bewegung, zahlreiche Lehrstellen sind weiterhin unbesetzt
Kaufbeuren/Ostallgäu – Auf dem Ausbildungsmarkt in Kaufbeuren und dem Ostallgäu ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Nach aktuellen Zahlen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben wurden zum Stichtag 1. Oktober 2026 in der Region 713 neue Ausbildungsverträge registriert. Ein Jahr zuvor waren es noch 765 gewesen. Das entspricht einem Rückgang von 6,8 Prozent.
Gleichzeitig zeigt sich, dass der Ausbildungsmarkt auch nach dem offiziellen Start des Ausbildungsjahres am 1. September in Bewegung bleibt. Allein im September gingen bei der IHK Schwaben rund 700 zusätzliche Ausbildungsverträge für das laufende Jahr ein.
Viele Jugendliche entscheiden sich erst spät
„Viele Absolventen beginnen erst spät mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Der Einstellungsprozess in den Betrieben geht damit inzwischen weit in das neue Ausbildungsjahr hinein“, berichtet Dr. Christian Fischer, stellvertretender Leiter des Bereichs Bildung bei der IHK Schwaben.
Schwabenweit ist die Zahl der neuen Auszubildenden inzwischen auf 7.628 gestiegen. Das sind 5,8 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.
Nach Einschätzung der IHK fällt vielen Schulabgängern die berufliche Orientierung schwer. Manche seien von den zahlreichen Möglichkeiten überfordert oder hätten falsche Vorstellungen von einzelnen Berufsbildern. Mit Nachvermittlungsaktionen und individuellen Beratungsangeboten versucht die Kammer deshalb, Jugendliche auch nach dem regulären Ausbildungsbeginn mit Unternehmen zusammenzubringen.
Unterschiedliche Entwicklung in den Branchen
Im gesamten Allgäu wurden zum 1. Oktober rund 3.150 neue Ausbildungsverträge registriert. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang von 5,6 Prozent. Dabei entwickeln sich die einzelnen Branchen unterschiedlich. Besonders in den gewerblich-technischen Berufen verzeichnet die IHK ein Minus von sieben Prozent. Als Gründe nennt die Kammer unter anderem die schwierige wirtschaftliche Lage der Industrie.
Anders sieht es im Hotel- und Gaststättengewerbe aus. Hier stieg die Zahl der neuen Ausbildungsverträge um zehn Prozent. Auch im Verkehrs- und Transportgewerbe wurde mit vier Prozent ein Zuwachs registriert. Zu den besonders gefragten Ausbildungsberufen zählen nach Angaben der IHK unter anderem Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer, Industriekaufleute, Industriemechaniker, Kaufleute für Büromanagement und Fachinformatiker.
Mehr als 1.700 Ausbildungsstellen weiterhin offen
Trotz der rückläufigen Vertragszahlen sieht die IHK Schwaben die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen weiterhin auf einem hohen Niveau. Im regionalen IHK-Ausbildungsatlas sind derzeit mehr als 1.700 offene Ausbildungsstellen eingetragen, darunter zahlreiche Angebote für das laufende Ausbildungsjahr.
Allerdings haben viele Betriebe Schwierigkeiten, geeignete Bewerber zu finden. Nach einer von der IHK angeführten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) konnten Unternehmen im vergangenen Jahr durchschnittlich 1,5 Ausbildungsplätze nicht besetzen. In fast der Hälfte der Fälle fehlten nach Angaben der befragten Betriebe geeignete Bewerbungen.
Zudem berichten vier von zehn Unternehmen in einer DIHK-Umfrage über Defizite bei grundlegenden Kenntnissen, beispielsweise in Mathematik, Deutsch oder wirtschaftlichen Zusammenhängen.
IHK sieht wachsende Herausforderungen bei schulischen Grundlagen
Sorgen bereitet der Kammer auch die Zahl junger Menschen, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik waren dies im Schuljahr 2023/2024 in Bayerisch-Schwaben knapp 1.200 Jugendliche ohne Abschluss der Mittelschule. „Viele Betriebe geben auch jungen Menschen mit Startschwierigkeiten eine Chance. Für die Unternehmen steigt damit der Aufwand in der Ausbildung enorm“, erklärt Fischer.
Die IHK unterstützt Betriebe und Auszubildende deshalb mit verschiedenen Angeboten. Dazu gehören Bildungsberatung, der Kurs „Fit fürs Lernen“ zur Vermittlung grundlegender Kompetenzen sowie das Programm „VerAplus“, bei dem erfahrene Fachkräfte junge Menschen während ihrer Ausbildung begleiten. Mit dem Kombimodell „1+x“ besteht seit diesem Jahr zudem in bestimmten Ausbildungsberufen die Möglichkeit, die Berufsschulzeit zu verlängern. „Wir dürfen Jugendliche mit schulischen Problemen nicht aufgeben und müssen ihre Potenziale auf jeden Fall nutzen. Gleichzeitig darf die Last nicht allein bei den Ausbildungsbetrieben liegen“, betont Fischer.
Ausbildungszahlen im regionalen Vergleich
Die IHK Schwaben meldet zum 1. Oktober 2026 folgende Entwicklung:
| Region | 2026 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Ostallgäu/Kaufbeuren | 713 | 765 | −6,8 % |
| Unterallgäu/Memmingen | 1.019 | 1.101 | −7,4 % |
| Oberallgäu/Kempten | 1.091 | 1.141 | −4,4 % |
| Lindau | 323 | 327 | −1,2 % |
| Bayerisch-Schwaben gesamt | 7.628 | 8.100 | −5,8 % |
Quelle: IHK Schwaben, Stand 1. Oktober 2026. Erfasst sind die bei der IHK registrierten Ausbildungsverträge.
Beratung für Jugendliche und Unternehmen
Jugendliche, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, sowie Unternehmen mit offenen Lehrstellen können sich an die Berufsorientierung der IHK Schwaben wenden.
Die Beratung ist telefonisch unter 0821 3162-100 erreichbar. Weitere Informationen zu den Ausbildungsangeboten gibt es unter ihk.de/schwaben/ausbildung.



















