Erinnerungen gesucht: Zwangsarbeit und „Displaced Persons“ in Kaufbeuren

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Diese Schatulle wurde 1948 Oberbürgermeister Georg Volkhardt vom ukrainischen Komitee übergeben und anschließend in die Museumssammlung aufgenommen. Das Geschenk wurde als Dank der ukrainischen „Displaced Persons“, die von 1945 bis 1948 in der Stadt lebten, überreicht. Foto: Stadtmuseum Kaufbeuren

Wer hat Briefe, Erinnerungen, persönliche Aufzeichnungen aus diesen Nachkriegsjahren an die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Kaufbeuren und Umgebung?

Das Stadtmuseum bereitet derzeit mit Unterstützung der freiberuflichen Historikerin Dr. Maria Anna Willer und der Künstlerin Cornelia Renz ein Ausstellungsprojekt zum Thema Zwangsarbeit in Kaufbeuren vor, das im November eröffnen wird. Das Projekt wird gefördert vom Kulturfonds des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Aktuell ist das Projektteam auf der Suche nach Briefen, Fotos, Erinnerungen und persönlichen Aufzeichnungen zu Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in der Stadt.

Kaufbeuren zum Kriegsende: 3.371 Menschen aus 24 Nationen

Als die amerikanischen Streitkräfte Ende Juli 1945 Kaufbeuren von der NS-Diktatur befreiten, fanden sie viele Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in und nahe der Stadt Kaufbeuren vor. Am 16.5.1945 übermittelt der Bürgermeister der Stadt Kaufbeuren der amerikanischen Militärregierung 3.371 Namen ausländischer Personen aus 24 Nationen. Sie waren zur Zwangsarbeit in der Munitionsherstellung verpflichtet, einige arbeiteten in der Landwirtschaft, in städtischen Haushalten oder in Firmen und Gewerbebetrieben in und bei Kaufbeuren.

Unterbringung der „Displaced Persons“

Die amerikanische Militärregierung richtete mehrere Lager für die aus ihren Heimatländern Verschleppten oder unter falschen Versprechungen Angeworbenen ein: Diese befanden sich im Gasthaus Rosenau, im Hofbräuhaus, in der Mechanischen Baumwollspinnerei, im Gasthaus Tell, im “Anwesen Johannes” in der Haagstr. 24 und in einem Anwesen in der Ganghoferstraße. Auch im ehemaligen Barackenlager Steinholz in der Gemeindeflur Mauerstetten wurde für die Unterbringung der “Displaced Persons” herangezogen. Die Lager wurden nach Nationalitäten der ausländischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter belegt. So wurde Mitte Mai auf dem „Barackengelände des Fliegerhorstes“ in der Gemeindeflur von Oberbeuren oder Apfeltrang ein „Ungarnlager“ eingerichtet, und in Kaufbeuren wurden Räume in der Berufsschule am Spitaltor 7 für ein „Polenlager“ belegt. Viele der “Displaced Persons” blieben in Kaufbeuren und Umgebung bis Ende der 1940er Jahre, zum Beispiel, weil sie auf ihre Papiere für die Auswanderung warten mussten.

Aufruf an die Kaufbeurer Stadtgesellschaft: Erinnerungen gesucht

Mit der Befreiung von der NS-Diktatur konnte die Kaufbeurer Bevölkerung erstmals einen freien, unreglementierten Umgang mit den ausländischen Menschen halten. Das Stadtmuseum Kaufbeuren richtet sich daher an die Kaufbeurer Stadtgesellschaft: Wer hat Briefe, Erinnerungen, persönliche Aufzeichnungen aus diesen Nachkriegsjahren an die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Kaufbeuren und Umgebung? Wer erinnert sich an elf jüdische „Displaced Persons“, die von 1946/47 bis 1952 in Kaufbeuren lebten? Gibt es Kaufbeurerinnen und Kaufbeurer, die Kontakt mit der Familie Jakobowic aus Lodz hatte, die von 1947 bis 1951 in der Ledergasse 9 lebten (Eltern: Jakob und Rosa Jakobowic, Sohn Marek Jakobowic, geboren 1943). Das Stadtmuseum bittet um Kontaktaufnahme unter petra.weber@kaufbeuren.de bzw. 08341/966 83 90.

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