Die Veranstaltungsreihe „Mensch sein, Mensch bleiben“ des Freundes- und Förderkreises der Blauen Blume e.V. setzt ein starkes Zeichen für Offenheit, Verständnis und Lebensmut
Ein voller Saal im Stadttheater Kaufbeuren, bewegende Geschichten und viel Musik: Mit einer Mischung aus Lesung, Vortrag und eigenen Liedern begeisterte die Neurologin, Autorin und Musikerin Dr. Sarah Straub die zahlreichen Besucherinnen und Besucher. Eingeladen hatte der Freundes- und Förderkreis der Blauen Blume e.V. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Bürgerstiftung Kaufbeuren, der AOK Kaufbeuren-Ostallgäu sowie der Stadt Kaufbeuren.
Zum Auftakt begrüßte Bernd Ruppert, 1. Vorsitzender des Freundes- und Förderkreises, die Gäste. Er machte deutlich, dass Menschen mit Demenz nicht nur Belastungen erleben. In der Blauen Blume werde viel gelacht und gesungen, der Alltag könne trotz der Erkrankung auch leicht sein. Die Veranstaltung mit Dr. Sarah Straub ist Teil der Reihe „Mensch sein, Mensch bleiben“, die auch künftig fortgeführt werden soll.
In seinem Grußwort betonte Oberbürgermeister Stefan Bosse die gesellschaftliche Bedeutung des Themas und hob hervor, wie wichtig Aufklärung und Information über Demenz sind.
Im Mittelpunkt des Abends stand Dr. Sarah Straub, die als Demenzexpertin seit vielen Jahren Betroffene und Angehörige begleitet. Geprägt wurde ihr beruflicher Weg durch die Erkrankung ihrer Großmutter, die sie als junge Frau selbst pflegte. In einer Mischung aus Vortrag und Lesung erzählte sie Geschichten aus ihrem aktuellen Buch. Fachwissen über Demenz und aktuelle Entwicklungen in der Forschung verband sie dabei mit persönlichen Erfahrungen aus ihrem Leben und ihrer Arbeit. Mit ihrer lebendigen und einfühlsamen Art gelang es ihr, das Publikum von Beginn an zu fesseln sowie die emotionalen und menschlichen Seiten der Erkrankung sichtbar zu machen.
Die Bilder des Abends. Fotos: Claus Tenambergen


















Besonders berührend war die Geschichte ihres Schwiegervaters Hans, der im Alter an einer vaskulären Demenz erkrankte. Lange wollte er keine Hilfe annehmen und lehnte Unterstützungsangebote ab. Als Angehörige und zugleich Demenzexpertin erlebte Straub dabei dieselben Gefühle von Hilflosigkeit und Überforderung wie viele Familien. Einen besonderen Moment schilderte sie aus einer fortgeschrittenen Phase der Erkrankung. Hans sprach kaum noch und wirkte teilnahmslos. Eines Tages stand er jedoch plötzlich auf, ging zu seinem geliebten Rasenmäher und machte sich auf den Weg zur Tankstelle, um Benzin zu holen. Für Sarah Straub wurde dieser Vorfall zu einer wichtigen Erkenntnis: Hinter der Erkrankung war immer noch derselbe Mensch mit seinen Erinnerungen, Gewohnheiten und Leidenschaften vorhanden.
Die Geschichte verdeutlichte eine der zentralen Botschaften des Abends: Menschen mit Demenz dürfen nicht unterschätzt werden. Wer ihre Biografie kennt und ihre persönlichen Interessen ernst nimmt, kann ihnen auch in fortgeschrittenen Krankheitsstadien Lebensqualität, Freude und Würde ermöglichen. Zugleich machte Dr. Sarah Straub Angehörigen Mut. Niemand müsse die Herausforderungen einer Demenzerkrankung allein bewältigen. Gerade in Kaufbeuren und der Region gebe es zahlreiche Hilfs- und Beratungsangebote. Wer sich frühzeitig informiere, könne die Erkrankung und viele Verhaltensweisen der Betroffenen besser verstehen.
Lesung, Vortrag und Musik gingen an diesem Abend nahtlos ineinander über. Immer wieder setzte sich Dr. Sarah Straub ans Klavier und präsentierte eigene Lieder. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme und den berührenden Texten schuf sie eine besondere Atmosphäre. Zum Abschluss erhielt Dr. Sarah Straub langanhaltenden Applaus und stehende Ovationen. Die Begeisterung im Saal zeigte, wie sehr Dr. Sarah Straub die Menschen mit ihrer Mischung aus Fachwissen, Musik und Menschlichkeit berührt hatte.



















