long time no see: Maximilian Gutmair, Sebastian Mayrhofer, Nicola Reiter, Johannes Vogl, Ulrich Vogl, Sonja Wahler im Kunsthaus Kaufbeuren

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Das Kunsthaus Kaufbeuren. Foto. Claus Tenambergen

15. März – 21. Juni 2026

  • Eröffnung am Sa, 14. März, 16 Uhr
  • mit einer Begrüßung von Stefan Bosse (Oberbürgermeister der Stadt Kaufbeuren), Bernhard Lutzenberger (Stiftung Kunsthaus der Stadt Kaufbeuren)
  • & einem Gespräch mit den beteiligten Künstler*innen,
  • moderiert von Lisa Britzger (künstlerische Leiterin, Kunsthaus Kaufbeuren)

Anlässlich seines 30-jährigen Bestehens verschickte das Kunsthaus Kaufbeuren einen Kettenbrief. Sechs Kulturakteurinnen aus der Region erhielten die Einladung wiederum sechs Künstlerinnen zu nennen, deren Arbeiten sie gerne erstmals oder wieder einmal in einer Ausstellung im Kunsthaus sehen möchten. Alle Künstler*innen haben einen Bezug zum Allgäu, weil sie hier wohnen, hier aufgewachsen sind oder obwohl sie schon lange andernorts leben und arbeiten. Diese Einladungspraxis verweist auf ein weit verzweigtes Netzwerk zwischen Kulturschaffenden aus unterschiedlichen Sparten und Generationen, mit dem Ergebnis einer Ausstellung, in der sich verschiedene Referenzen und persönliche Bezüge zu ungewohnten Perspektiven auf die Region verbinden.

Auf Einladung von Martin Valdés-Stauber zeigt Sonja WahIer im Foyer des Kunsthauses Fotos, Zeichnungen, Drucke und Fundstücke aus ihrer Recherche und Spurensuche auf dem ehemaligen Gelände der Rosenbrauerei in Kaufbeuren, die sie dort 2020 unternahm. Im März 2022 brannte das ehemalige Brauereigebäude. Der Ort der Spurensuche existiert so nun nicht mehr. In Sonja Wahlers Installation überlagern sich transparente Bildträger, ergeben neue Zusammenhänge, Details werden undeutlich wie lange zurückliegende Erinnerungen. Das gesammelte Material wird zum Ausgangspunkt einer spekulativen Forschung und Suche danach, wie Vergessen aussieht.

Im Saal zeigt Ulrich Vogl auf Einladung von Nadja Ostertag Elemente seiner Skulptur „Wolkenhaus“, die ab 2014 im öffentlichen Raum am Salzmarkt in Kaufbeuren stand und kontrovers diskutiert wurde, bevor sie 2016 im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen der dortigen Fußgängerzone abgebaut wurde. Im Ausstellungsraum bilden einzelne Elemente der Skulptur zusammen mit weiteren Materialien und Motiven eine begehbare Installation, die dazu einlädt, das Verhältnis zwischen dem geteilten öffentlichen Raum und institutionellen Räumen in Bezug auf Diskurs und Beteiligung zu reflektieren.

Thomas Garmatsch schlägt den Künstler Johannes Vogl vor, der aus alltäglichen Dingen eigensinnige Skulpturen baut, die poetische Bilder visualisieren. Seine raumgreifende Skulptur „Walze“ erinnert an ein landwirtschaftliches Gerät. Mit 138 Schuhen ausgestattet, dient sie augenscheinlich dazu, eine Spur hunderter Fußabdrücke zu erzeugen und verweist auf Menschen in Bewegung, Demonstrierende, Flüchtende, militärische Aufmärsche, auf vorübergehende Momente, die häufig ein Indiz für weitreichende Veränderungen und Umbrüche darstellen.

Sebastian Mayrhofer, der von Tatjana Nocker vorgeschlagen wurde, kombiniert in seinen Installationen, Zeichnungen, Videos und Performances bewusst verschiedene Materialien, Techniken und Medien. Seine neue Installation „dreh dich ganz langsam“ zeigt Holzmasken und Videos. Anders als die schrillen Fratzen der Perchten im lokalen Brauchtum bewegen sich die Figuren hier behutsam, möchten unbemerkt bleiben, sich verbergen, sich in die umgebende Landschaft und ihre Zeitlichkeit einfügen.

In seiner interdisziplinären Praxis, die Fotografie, Keramik, Zeichnung, Malerei und Performance umfasst, verbindet Maximilian Gutmair Themen wie Queerness, Emotion, Natur und Spiritualität. Auf Vorschlag von Luise Wank zeigt er eine hoch aufragende Brunnenskulptur aus Keramik, die in barocker Üppigkeit Motive aus verschiedenen Glaubenssystemen zitiert und transformiert – als Hommage an alles Lebendige, Wuchernde, Natürliche — an Verbindungen und Übergänge zwischen organischer Materie, Pflanzen, Tieren und menschlichen Körpern.

Im Speicher des Kunsthauses zeigt die Gestalterin und Künstlerin Nicola Reiter auf Einladung von Frauke Zabel ihr Langzeitprojekt „Afdərmähdag“. Seit 2020 entstehen auf Wanderungen rund um ihren Wohnort im Oberallgäu Fotografien, die Spuren landwirtschaftlicher Arbeit festhalten. Mit ihren Bildern sowie in Gesprächen mit Landwirtsfamilien über deren Höfe und Tätigkeiten untersucht sie Strukturen, Bedingungen und Transformationen von Arbeitswelten, aber auch das Verhältnis von Menschen, Nutztieren und Kulturlandschaften. Nach der ersten Phase wird sich das Projekt ab Ende Juli bis November 2026 erweitern und fortschreiben.

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