Claus Tenambergen ist Inhaber von Wir sind Kaufbeuren und Kolumnist des Internetportals
Es gibt Abende, die enden mit dem Schlussapplaus. Und es gibt Abende, die nimmt man mit nach Hause. Weil Bilder bleiben. Weil Melodien nachklingen. Weil man noch Tage später an einzelne Szenen und an die Darsteller denkt. Nach der Premiere fuhr ich mit genau diesem Gefühl nach Hause. Nach der zweiten Aufführung finde ich dies bestätigt: Dieses Musical beeindruckt mich.
Schon beim Betreten der energie schwaben arena entsteht eine Atmosphäre, die man eher aus großen Musicalhäusern kennt. Die Bühne, die beeindruckende LED-Wand, Licht und Technik schaffen einen Rahmen, der wirklich begeistert. Und an einem heißen Sommertag kommt noch etwas hinzu: Während draußen die Temperaturen steigen, ist es in der klimatisierten Arena angenehm. Ein schöner Nebeneffekt.
Muss eine Geschichte so bekannt sein wie König Ludwig II., das Phantom der Oper oder andere große Musicalstoffe, um Menschen zu berühren? Ich glaube nicht. HERILO erzählt eine Story aus unserer Heimat. Vielleicht nur ein kleines Mosaik der Weltgeschichte – und gerade deshalb so nahbar. Im Kern geht es um etwas, das Menschen seit jeher beschäftigt: den Traum, durch die Zeit reisen zu können. Vergangenes zu erleben. Vielleicht sogar Einfluss darauf zu nehmen. Hinzu kommen Themen, die aktueller kaum sein könnten: Krieg und Frieden, Liebe und Hass, Vertrauen und Vorurteile.
Was mich besonders begeistert, ist die Musik.
Bei HERILO freue ich mich jedes Mal, wenn die Musik wieder einsetzt. Weil ich neugierig bin, wohin mich der nächste Song mitnimmt. Rock, Balladen und Musicalmusik verschmelzen zu einem ganz eigenen Klang. Die Lieder bleiben im Ohr. Und sie leben von starken Stimmen. Danny Wohlrab, Eugen Schreiner, Dan Lucas, Julia Haug, Thomas Wohlfahrt, Melanie Gallien, Lydia Pané und viele weitere Mitwirkende verleihen jeder Szene ihre eigene Farbe. Man hört ihnen einfach gerne zu.
Besonders beeindruckt mich die Leistung von Komponist Adi Adolf. Für HERILO hat er insgesamt 32 Songs geschrieben, davon 25 neu für die aktuelle Produktion. Das allein ist schon bemerkenswert. Noch beeindruckender finde ich aber, dass die Musik trotz ihrer Vielfalt wie aus einem Guss wirkt. Kraftvolle Rocksongs wechseln sich mit Balladen und emotionalen Musicalnummern ab. Immer wieder ertappe ich mich dabei, gespannt zu sein, welche musikalische Richtung als Nächstes kommt.
Ebenso prägend ist die Band. Frank Panés Gitarrenspiel ist für mich jedes Mal ein Erlebnis. Überhaupt merkt man jedem Musiker an, mit welcher Leidenschaft gespielt wird. Das Gitarren-Duell zwischen Frank Pané und Mr. Nice gehört für mich zu den Höhepunkten der Aufführung.
Eine Rolle bleibt mir besonders im Gedächtnis: Mr. Nice. Eugen Schreiner verkörpert den Teufel mit einer Bühnenpräsenz, die mich fasziniert. Seine Auftritte sind etwas ganz Besonderes. Gleichzeitig freue ich mich jedes Mal, wenn die Engel die Bühne betreten – mit ihrem Humor, ihrer Energie und diesen starken Stimmen. Ihre gemeinsamen Szenen mit dem Teufel gehören für mich zu den schönsten Momenten des Abends. Nicht zu vergessen sind auch die Auftritte von Maria und Herilo in der Vergangenheit oder auch die Szenen mit Doc, Karl und Maria in der Gegenwart. Jede Zeitebene hat ihre eigenen besonderen Momente und ihre großartigen Darsteller.
Je länger das Musical dauert, desto deutlicher wird auch, welchen Anteil Drehbuchautor Joff Körner und Regisseur Harald Holstein am Gelingen dieser Produktion haben. Trotz der verschiedenen Zeitebenen bleibt die Geschichte jederzeit verständlich. Die Übergänge wirken fließend, große Bilder wechseln sich mit ruhigen Momenten ab. Besonders die Idee, Woodstock als zusätzliche Zeitebene einzubauen, finde ich hervorragend. Zusammen mit Musik und Inszenierung entsteht dort einer der emotionalsten Momente des Musicals.
Großen Respekt habe ich vor dem Hirschzeller Blasorchester. Viele kennen die Musikerinnen und Musiker aus Konzerten oder Festzelten. Sie erneut als festen Bestandteil der Musicalproduktion zu erleben, ist klasse. Gemeinsam mit der Rockband entsteht ein Klang, der HERILO eine ganz eigene Handschrift gibt. Dahinter stecken unzählige Probenstunden – neben Beruf, Familie und Alltag. Genau das macht diese Leistung für mich so bemerkenswert.
In der Pause komme ich mit vielen Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch. Fast alle erzählen begeistert von dem, was sie gerade erlebt haben. Das freut mich. Für die Verantwortlichen. Für alle auf und hinter der Bühne. Vor allem aber freut es mich für die Besucher selbst. Denn genau für sie wird HERILO aufgeführt. Es ist schön zu erleben, wenn ein Musical die Menschen so erreicht.
Als der letzte Applaus verklungen ist und ich irgendwann die Arena verlasse, begleitet mich wieder dieses besondere Gefühl. Ich habe nicht einfach eine Veranstaltung besucht. Ich habe einen Abend erlebt, der nachwirkt. Ich weiß schon heute, dass ich mich auch in einigen Jahren noch an diesen Musicalabend erinnern werde. Wie schade wäre es gewesen, diesen verpasst zu haben.
Euer Claus Tenambergen



















