„Wohnraum ist ein Menschenrecht“ – eine Artikelserie über Menschen aus Kaufbeuren und dem Ostallgäu, ihre Schicksale und die Bedeutung eines sicheren Zuhauses. Grafik: KI generiert
Wie ein sicheres Zuhause einer geflüchteten Familie neue Hoffnung und Zukunft schenkte
Als Familie A. mit ihren vier Kindern vor Krieg und Bomben aus Syrien fliehen musste, hatte sie fast alles verloren: ihre Heimat, ihr vertrautes Umfeld, ihre Sicherheit und die Hoffnung auf ein normales Familienleben. In Kaufbeuren fand die Familie zunächst Schutz in einer Gemeinschaftsunterkunft. Dort hatten sie im Vergleich zu vielen anderen sogar noch Glück: Statt eines einzelnen Zimmers mit Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftsbad bekamen sie eine kleine abgeschlossene Wohnung mit 68 Quadratmetern.
Für die Familie war das zunächst ein großer Trost. Endlich ein Ort, an dem sie zusammen sein konnten. Zwar war die Wohnung nur sehr einfach eingerichtet – mit Blechschränken, Stockbetten und schlichten Stahlrohrstühlen –, doch mit Hilfe engagierter Menschen wurde aus der nüchternen Unterkunft Schritt für Schritt etwas Wohnlicheres. Teppiche, Vorhänge und ein Sofa schenkten der Familie ein wenig Wärme und Geborgenheit. Nach allem, was sie erlebt hatte, war das von unschätzbarem Wert.
Doch die Grenzen dieses Lebens auf engem Raum wurden schnell sichtbar. Wegen strenger Brandschutzauflagen in dem Haus, in dem rund 160 Flüchtlinge untergebracht waren, musste die Familie viele dieser persönlichen Dinge wieder entfernen. Schweren Herzens blieb am Ende fast nur die spartanische Grundausstattung zurück. Was andere vielleicht nur als Einrichtungsgegenstände sehen, war für diese Familie viel mehr: ein kleines Stück Würde, ein Versuch, nach Flucht und Angst wieder so etwas wie Zuhause zu spüren.
Mit sechs Personen auf 68 Quadratmetern wurde der Alltag immer belastender. Die Eltern mussten für ihre Integrationskurse lernen, die beiden ältesten Kinder brauchten Ruhe für die Schule, während die kleineren Geschwister in der Enge kaum zur Ruhe kommen konnten. Es gab keinen Rückzugsraum, keinen Ort zum Durchatmen, keinen Platz, an dem man einmal allein sein konnte. Alles spielte sich gleichzeitig auf engstem Raum ab: Lernen, Leben, Hoffen, Verarbeiten.
Besonders schwer wog das für die Kinder. Eine Psychologin stellte fest, dass drei der vier Kinder unter posttraumatischen Belastungsstörungen litten. Krieg und Flucht hatten tiefe Spuren hinterlassen. Die Wohnsituation half nicht dabei, diese Wunden zu heilen – im Gegenteil. Wo Ruhe, Schutz und Geborgenheit fehlen, können Kinder Erlebtes oft kaum verarbeiten.
Als der Vater endlich eine Arbeit fand, begann die Familie mit neuer Hoffnung nach einer eigenen Wohnung zu suchen. Doch der Weg dorthin war steinig. Eine syrische Familie mit vier Kindern – für viele Vermieter war das offenbar schon ein Grund, abzuwinken. Die Suche zog sich hin. Immer wieder standen Vorurteile und der angespannte Wohnungsmarkt zwischen dieser Familie und der Chance auf einen Neuanfang.
Dann kam über den Arbeitskreis Asyl das Angebot für ein Reihenmittelhaus. Die Familie konnte die Miete bezahlen und endlich aus der Unterkunft ausziehen. Dieser Umzug war weit mehr als ein Wohnungswechsel. Er war ein Wendepunkt.
Schon bald zeigte sich, wie sehr ein echtes Zuhause Menschen stabilisieren kann. Die Kinder fanden mehr Ruhe, ihr Zustand besserte sich spürbar. Die älteste Tochter macht inzwischen ihren Abschluss an der Realschule, auch die anderen Kinder besuchen die Realschule. Beide Eltern haben Arbeit gefunden. Die Mutter engagiert sich zusätzlich ehrenamtlich in Projekten des Arbeitskreises Asyl und gibt damit etwas von der Hilfe zurück, die ihre Familie selbst erfahren hat.
Diese Geschichte macht deutlich: Wohnraum ist nicht einfach nur eine Frage von Quadratmetern. Wohnraum bedeutet Schutz, Würde, Entwicklung und Zukunft. Besonders für Kinder kann ein sicheres Zuhause darüber entscheiden, ob sie an Erlebtem zerbrechen – oder ob sie heilen und ihren Weg finden.
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Infobox: Arbeitskreis Asyl Kaufbeuren
Der Arbeitskreis Asyl Kaufbeuren begleitet und unterstützt Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung beim Ankommen und Einleben in Kaufbeuren. Dabei spielen ehrenamtliches Engagement, persönliche Begegnung und praktische Hilfe im Alltag eine wichtige Rolle.
Wenn Sie für neuzugewanderte Menschen eine Wohnung anbieten können, melden Sie sich gerne bei::
Dr. Cornelia Paulus
Integrationslotsin und Ehrenamtskoordinatorin
Arbeitskreis Asyl Kaufbeuren
Telefon: 08341 9081052
E-Mail: paulus@arbeitskreis-asyl-kaufbeuren.de
WEB: www.arbeitskreis-asyl-kaufbeuren.de



















