Petition gestartet
Zum 1. April 2026 sollen die Honorare für ambulante psychotherapeutische Leistungen um rund 4,5 Prozent sinken. Dies hat der Bewertungsausschuss beschlossen. Der Bewertungsausschuss, in dem die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband vertreten sind, legt fest, wie ärztliche und psychotherapeutische Leistungen für gesetzlich Versicherte vergütet werden.
„Diese Entscheidung fällt ausgerechnet in einer Zeit, in der psychische Erkrankungen zunehmen und Patientinnen und Patienten oft monatelang auf einen Therapieplatz warten“, berichtet die psychologische Psychotherapeutin Anabel Weinig, die eine eigene Praxis in Kaufbeuren führt. Gleichzeitig sind die Kosten für Praxen in den vergangenen Jahren gestiegen. Mieten, Personal und Energie haben sich deutlich verteuert. Eine Honorarkürzung erhöht daher den wirtschaftlichen Druck auf die ambulante Versorgung spürbar.
Die Auswirkungen könnten sich laut Weinig direkt auf die Versorgung auswirken: „Wenn die Behandlung gesetzlich Versicherter wirtschaftlich unattraktiver wird, droht eine stärkere Ausrichtung auf Privatpatienten. Für Kassenpatientinnen und -patienten könnten sich die Wartezeiten weiter verlängern.“ Auch die Finanzierung der neuen Weiterbildung für angehende Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gerät unter Druck.
Kritik aus Fachwelt und Gesellschaft
Kritik kommt auch von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): Deren Vorsitzender Dr. Andreas Gassen erklärte, die Entscheidung lasse die Interessen psychisch kranker Menschen außer Acht und treffe einen Versorgungsbereich, in dem die Nachfrage seit Jahren steigt.
Auch über Fachkreise hinaus wächst der Widerstand. In einer Online-Petition wird darauf hingewiesen, dass psychische Erkrankungen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit zählen und Therapieplätze bereits jetzt knapp sind. Eine Schwächung der ambulanten Versorgung stehe damit im Widerspruch zu politischen Zielen, die Erwerbsfähigkeit zu stärken.
Die Petition kann online unterstützt werden:
https://www.change.org/p/monatelange-wartezeiten-und-jetzt-werden-psychotherapeutische-leistungen-gek%C3%BCrzt
Kritik an der Berechnungsgrundlage
„Dabei wird psychotherapeutische Arbeit ohnehin systematisch unterschätzt“, so Anabel Weinig. Die Vergütung basiert auf Annahmen einer nahezu vollständig ausgelasteten Therapiewoche und berücksichtigt wichtige Tätigkeiten wie Diagnostik, Dokumentation und Koordination nur unzureichend.
Proteste in München angekündigt
Vor diesem Hintergrund formiert sich Protest. Unter dem Motto „Psychotherapie verteidigen in München!“ sind Demonstrationen angekündigt: am 19.03.2026 um 15:45 Uhr am Haidenauplatz 1 sowie am 21.03.2026 um 16:00 Uhr am Gärtnerplatz.
Einordnung
„Wer an psychotherapeutischer Versorgung spart, spart nicht am System – sondern an der psychischen Gesundheit der Bevölkerung“, so Anabel Weinig.


















