„Dumb City Kaufbeuren?“ Die neue Kolumne von Alex Uhrle, Beauftragter für die Digitale Stadt

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Alexander Uhrle, Kaufbeurer Stadtrat (Kaufbeurer Initiative) und „Beauftragter Digitale Stadt“ des Stadtrates. Foto: Uhrle

Warum Kaufbeuren beim digitalen Wandel ins Hintertreffen gerät

Gerade sitze ich im ICE von München nach Hamburg, wo ich in den nächsten Tagen an einer Konferenz des Cross Business Architecture Labs, einem Enterprise-Architecture-Anwenderverband von renommierten Unternehmen, teilnehme. Während der Zug gerade mit etwa 250 km/h durch die Landschaft gleitet, lese ich den aktuellen Bericht des Smart-City-Rankings 2024 von Haselhorst Associates Consulting. Wenn man diesem Ranking Glauben schenkt, fahre ich quasi vom deutschen Meister der Smart-City-Städte zum Vizemeister. Da geht was … Der Start meiner Reise war aber Kaufbeuren, meine geliebte Heimatstadt. Wo ist die eigentlich im Ranking? Platz 352 von 413. Autsch! Kann man bei so einer miserablen Platzierung eigentlich noch von Smart City reden, oder ist das schon eine Dumb City?

Wenn man über „Smart Cities“ spricht, denkt man an vernetzte Mobilität, digitale Bürgerdienste, datengetriebene Stadtplanung oder nachhaltige Energiekonzepte. Städte, die mutig neue Wege gehen, Projekte starten, Daten teilen – und damit Fortschritt gestalten. Noch 2023 lag unsere Stadt auf Rang 309. Statt Fortschritt – ein Rückschritt. Und das in einem Bereich, der für unsere Zukunft entscheidend ist sowie in der Wirtschaft große Beachtung findet.

Was das Ranking zeigt

Das Haselhorst-Ranking basiert auf über 60 Kriterien in zehn Handlungsfeldern: Strategie, Mobilität, Energie, Verwaltung, Infrastruktur etc. Bewertet werden ausschließlich öffentlich zugängliche Informationen – also das, was eine Stadt nach außen sichtbar macht: Wo sind Projekte dokumentiert? Welche Leitbilder gibt es? Gibt es messbare Ergebnisse, strukturierte Digitalstrategien oder Bürgerbeteiligung?

Städte wie Kempten (Platz 40), Augsburg (50.) oder Nürnberg (60.) schaffen es hier, digital sichtbar zu sein – mit Plattformen, Datenmodellen, realen Use Cases und allgemein gut verfügbaren Informationen. Kaufbeuren hingegen: Kaum auffindbare Projekte, wenig messbare Umsetzung, keine erkennbare Vision. Wer Lust hat, kann auf kaufbeuren.de einfach mal nach „Smart City“ oder „Digitalisierung“ suchen.

Woran es in Kaufbeuren hapert

  1. Keine erkennbare Gesamtstrategie.
    Einzelmaßnahmen existieren sicherlich – aber ohne ein zusammenhängendes, ambitioniertes Leitbild fehlt der Rahmen. Ohne Strategie fehlt Zielorientierung.
  2. Geringe Transparenz und digitale Außenwirkung.
    Wer Digitalisierung ernst meint, muss sie zeigen – mit offenen Daten, klarer Kommunikation und konkreten Projekten. Wer im Ranking nicht sichtbar ist, wird mit einer schlechten Platzierung „bestraft“.
  3. Fehlende Bürgerbeteiligung und Innovationskultur.
    Andere Städte binden Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft aktiv ein. In Kaufbeuren bleibt Smart City gefühlt ein reines Verwaltungsthema (wenn überhaupt) – ohne gelebten Beteiligungsprozess.
  4. Keine mutigen Pilotprojekte.
    Ob digitale Zwillinge, Klimadashboards oder smarte Verkehrssteuerung – andere Städte machen es längst vor. Kaufbeuren bleibt blass, ohne Leuchtturmprojekte oder erkennbare Initiativen.

Was jetzt passieren muss

Kaufbeuren kann mehr. Platz 352 darf kein Schicksal – sondern muss Ansporn sein. Damit das gelingt, braucht es:

  • Eine klare, messbare Digitalstrategie: mit Prioritäten, Zielen und Verantwortlichkeiten.
  • Sichtbare, öffentlich dokumentierte Projekte: in Mobilität, Energie, Verwaltung, Bildung.
  • Digitale Kommunikation auf Augenhöhe: Plattformen, Apps, Datenportale mit Bürgerzugang.
  • Mehr Mut zur Innovation: Pilotversuche statt endloser Prüfphasen – Machen statt verwalten!
  • Offene Beteiligung: weil Smart City nicht am Schreibtisch entsteht, sondern im Miteinander.

Fazit
Smart City ist kein Buzzword. Es ist eine Haltung. Ein Versprechen an die Zukunft – und an die Menschen, die in dieser Stadt leben. Platz 352 zeigt nicht, wo wir stehen müssen. Sondern wo wir gerade nicht stehen wollen. Kaufbeuren kann digitaler, transparenter, mutiger sein. Es wird Zeit, das auch zu zeigen – getreu dem Motto: „Tue Smartes und rede darüber“.

Link zum Rating:
https://www.haselhorst-associates.com/smart-city-ranking-2024/

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