Kaufbeuren rückt ins Blickfeld der Verteidigungsindustrie

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Foto: Abgeordnetenbüro Bernhard Pohl

Zivil-militärische Kooperation als Motor für wirtschaftlichen Aufbruch

Die Zeitenwende als Standortchance

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat nicht nur die deutsche Sicherheitsstrategie verändert, sondern auch wirtschaftspolitische Weichenstellungen angestoßen. Mit der angekündigten Aufstockung der Bundeswehr auf bis zu 70.000 zusätzliche Soldaten und der Anhebung der Verteidigungsausgaben auf 5 % des Bruttoinlandsprodukts gewinnen bestehende Bundeswehrstandorte strategisch an Bedeutung.

Kaufbeuren sieht sich gut gerüstet

Oberbürgermeister Stefan Bosse und Landtagsabgeordneter Bernhard Pohl erkennen in dieser Entwicklung eine große Chance für ihre Stadt. Kaufbeuren ist Standort eines hochspezialisierten Ausbildungszentrums der Bundeswehr und profitiert von einer vorhandenen Infrastruktur sowie einem Pool an qualifiziertem Personal mit sicherheitstechnischer Expertise.

„Die Hartnäckigkeit im Kampf um den Erhalt des Standorts zahlt sich nun aus“, erklärt OB Bosse. Er verweist auf eine 10 Hektar große, teils erschlossene Gewerbefläche in unmittelbarer Nähe zur Kaserne – prädestiniert für Unternehmen aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

Der politische Vorstoß

Pohl, Sprecher für Bundeswehrfragen der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, hat gemeinsam mit Bosse eine Standortoffensive gestartet. In Schreiben an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sowie Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Staatssekretär Tobias Gotthardt werben sie für eine stärkere zivil-militärische Zusammenarbeit.

Pohl sieht in der Verbindung von Bundeswehr-Know-how und industrieller Entwicklung ein Modell mit Zukunft: „Wer kann besser beurteilen, was gebraucht wird, als die, die es im Einsatz nutzen?“ Als gelungenes Beispiel nennt er die Flugsicherungsausbildung in Kaufbeuren, die von der Deutschen Flugsicherung unter militärischer Beteiligung durchgeführt wird.

Wettbewerbsvorteil durch Schnelligkeit

Neben der technischen Kompetenz betonen die Initiatoren auch die Standortvorteile: Als kreisfreie Stadt kann Kaufbeuren schnell und flexibel auf Ansiedlungsanfragen reagieren. So wurden etwa bei der Ansiedlung der Firma Schleifring – einem Tochterunternehmen von Krauss-Maffei-Wegmann – innerhalb eines Jahres Planung und Produktionsstart realisiert.

Appell an Bund und Land

Ziel der Initiative ist es, Kaufbeuren als Modellregion für zivil-militärische Clusterprojekte zu positionieren. Pohl und Bosse appellieren an die politischen Entscheidungsträger in Berlin und München, diesen Weg mit gezielter Förderung zu begleiten. Der Zeitpunkt sei günstig – nicht zuletzt, weil viele Unternehmen aufgrund der neuen sicherheitspolitischen Lage ohnehin nach Expansionsmöglichkeiten suchen.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, lautet ihr gemeinsames Fazit.

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