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Das Smartphone ist längst nicht mehr nur Kommunikationsgerät, sondern bündelt zahlreiche Dienstleistungen an einem Ort. Dazu gehört inzwischen auch die Suche nach Lebensmitteln, die sonst möglicherweise nicht mehr verkauft würden. Digitale Überraschungstüten bringen Betriebe mit Menschen zusammen, die bereit sind, bei ihrem Einkauf flexibel zu bleiben. Das Prinzip ist einfach: Übrig gebliebene, noch einwandfreie Lebensmittel werden kurzfristig über eine App angeboten, reserviert und später im Geschäft abgeholt.
Apps für den Alltag
Streaming, soziale Netzwerke, Navigation und Online-Shopping haben viele Tätigkeiten auf das Smartphone verlagert. Hinzu kommen Banking, Ticketkauf, Bezahldienste oder Lieferangebote. Auch die Unterhaltungsbranche setzt auf mobile Anwendungen. Games sind längst auf dem Smartphone angekommen, ebenso wie Lootboxen, bei denen erst nach dem Öffnen feststeht, welche virtuellen Gegenstände enthalten sind.
Im Glücksspielbereich lassen sich bei legalen Online-Casinos, wie zum Beispiel Novoline, Spiele mobil aufrufen, Einzahlungen verwalten oder verschiedene Boni nutzen. Beliebt ist ein Casino Bonus ohne Einzahlung, bei dem ein Anbieter zunächst ein Guthaben oder Freispiele zur Verfügung stellt, ohne dass dafür unmittelbar eine eigene Einzahlung erforderlich ist. Dort gehört die Ungewissheit über ein Spielergebnis zum grundlegenden Prinzip des Angebots. Auch bei einer Überraschungstüte weiß der Käufer vorher nicht genau, was er für sein Geld bekommt. Statt virtueller Gegenstände oder möglicher Gewinne warten darin allerdings übrig gebliebene Lebensmittel.
Für einen Betrieb lässt sich nämlich erst kurzfristig abschätzen, welche Waren am Ende des Verkaufstags nicht mehr regulär abgesetzt werden. Eine mobile Plattform kann solche Angebote genau dann sichtbar machen, wenn sie verfügbar sind. Nutzer sehen, was in ihrer Umgebung angeboten wird, und können direkt über das Smartphone reservieren.
Überschuss wird Angebot
Das Grundprinzip digitaler Überraschungstüten ist schnell erklärt. Ein Café, Restaurant, eine Bäckerei oder ein Lebensmittelgeschäft stellt überschüssige Ware in der App ein. Dort erscheinen der Betrieb, der Preis und ein bestimmtes Zeitfenster für die Abholung. Interessierte reservieren das Angebot und bezahlen über die Anwendung. Anschließend holen sie die Tüte beim jeweiligen Anbieter ab. Bei Too Good To Go wird die Reservierung bei der Abholung über die App bestätigt.
Der Inhalt bleibt dabei zumindest teilweise offen. Genau darin liegt der Unterschied zu einem gewöhnlichen Sonderangebot: Der Betrieb muss nicht vorher festlegen, welche einzelnen Produkte am Abend übrig bleiben. Stattdessen kann er einen verfügbaren Überschuss als Paket anbieten. Bei Denns BioMarkt etwa kann eine Tüte Lebensmittel aus verschiedenen Bereichen des Marktes enthalten, abhängig davon, was an diesem Tag übrig bleibt..
Günstiger einkaufen, weniger wegwerfen
Für die teilnehmenden Betriebe entsteht aus Ware, die möglicherweise nicht mehr regulär verkauft werden könnte, noch ein Verkauf. Hinzu kommt die Chance, Menschen auf das eigene Geschäft aufmerksam zu machen. Too Good To Go wirbt damit, dass Unternehmen Preise und Abholzeit selbst festlegen und den Verkauf der Tüten digital verwalten können.
Für Kunden liegt der Reiz vor allem im Preis und in der Flexibilität. Die Plattform bietet überschüssige Lebensmittel laut eigener Beschreibung zur Hälfte des ursprünglichen Preises oder günstiger an. Wer eine Tüte reserviert, weiß dafür nicht immer genau, welche Produkte ihn erwarten. Das Modell verbindet damit einen wirtschaftlichen Anreiz mit der Möglichkeit, Lebensmittel vor der Entsorgung zu bewahren.
Wie viel und welche Lebensmittel in einer Tüte landen, hängt vom jeweiligen Betrieb und vom vorhandenen Überschuss ab. Bei einer Bäckerei können es etwa Brote, Brötchen oder süße Teilchen sein, während ein Lebensmittelmarkt verschiedene Waren aus seinem Sortiment zusammenstellt. Die Flexibilität hat allerdings Grenzen. Wer wegen einer Allergie bestimmte Zutaten vermeiden muss oder nur gezielt einkaufen möchte, kann mit einem unbekannten Inhalt wenig anfangen.
Die Grenzen der Lebensmittelrettung
Lebensmittelabfälle entstehen entlang der gesamten Versorgungskette. Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden in Deutschland 2023 insgesamt rund 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle erfasst. Rund 58 Prozent davon entfielen auf private Haushalte. Handel und Gastronomie sind also nur ein Teil des Problems, auch wenn dort bereits produzierte Lebensmittel vor der Entsorgung bewahrt werden können.
Auf europäischer Ebene wurden für die kommenden Jahre konkrete Reduktionsziele beschlossen. Bis 2030 sollen die Lebensmittelabfälle in der Verarbeitung und Herstellung um 10 Prozent sinken. Für Handel, Gastronomie, weitere Food-Services und Haushalte gilt ein gemeinsames Ziel von 30 Prozent weniger Abfällen pro Kopf gegenüber dem Referenzzeitraum 2021 bis 2023.
Aktuelle Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Wirkung solcher Überraschungsabverkäufe differenziert betrachtet werden muss. Forschende modellierten, was passiert, wenn überschüssige Lebensmittel über Überraschungstüten verkauft werden. Im Geschäft kann dadurch der Abfall vollständig vermieden werden, während der Lebensmittelabfall bei den Kunden zunimmt. Für die Gesamtmenge kommt es darauf an, welche Mengen produziert und tatsächlich verbraucht werden. Unter bestimmten Bedingungen können Überraschungstüten die gesamte Verschwendung reduzieren, unter anderen kann sich dieser Effekt umkehren.
Ein Lebensmittel gilt nicht allein deshalb als gerettet, weil es den Laden verlassen hat – entscheidend ist, ob es anschließend auch gegessen wird. Genau hier liegt eine Grenze des Modells: Wer eine Überraschungstüte allein wegen des niedrigen Preises kauft und einen Teil des Inhalts nicht verwendet, verlagert die Verschwendung möglicherweise nur vom Geschäft in den eigenen Haushalt. Untersuchungen zu Food-Rescue-Apps zeigen zudem, dass der Nachhaltigkeitsgedanke nicht der einzige Beweggrund für die Nutzung ist. Preis, Produktinformationen und die wahrgenommene Qualität sind für die Kaufentscheidung ebenfalls relevant.
Auch Angaben zu eingesparten CO₂-Emissionen führen nicht automatisch zu einer stärkeren Nutzung. Eine Studie zur Wahrnehmung solcher Angaben fand nur einen begrenzten Einfluss auf das Verhalten der untersuchten Nutzer. Die ökologische Wirkung hängt deshalb stärker vom tatsächlichen Umgang mit den geretteten Lebensmitteln ab als von der bloßen Anzahl verkaufter Tüten.
Wenn Lebensmittelrettung mobil wird
Das Smartphone kann inzwischen Unterhaltung, Kommunikation, Einkäufe und zahlreiche Dienstleistungen miteinander verbinden. Bei digitalen Überraschungstüten kommt eine weitere Anwendung hinzu: Ein kurzfristiger Lebensmittelüberschuss wird sichtbar und kann noch verkauft werden, bevor er zum Abfall wird. Das funktioniert besonders dann, wenn Kunden bereit sind, beim Inhalt flexibel zu bleiben und die geretteten Lebensmittel auch tatsächlich zu verbrauchen.
Die App ersetzt dabei weder andere Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung noch löst sie das Problem allein. Sie schafft vielmehr einen zusätzlichen Vertriebsweg für Waren, deren regulärer Verkauf schwierig geworden ist. Gerade darin liegt der interessante Ansatz: Nachhaltigkeit wird nicht als gesonderter Vorgang organisiert, sondern in einen digitalen Einkauf integriert, den viele Menschen ohnehin über ihr Smartphone erledigen.



















