Foto: Heimatverein Kaufbeuren; Zahlreiche Interessierte nahmen an der heimatkundlichen Wanderung des Heimatvereins Kaufbeuren teil und erkundeten unter der Führung von Boris Blum den Burgstall Eggenthal
Heimatkundliche Führung des Heimatvereins Kaufbeuren zum Burgstall Eggenthal
Über zwanzig Interessierte des Heimatvereins Kaufbeuren und der Gemeinde Eggenthal machten sich unter der Führung von Boris Blum auf den Weg zum Burgstall Eggenthal. Mit dem Begriff „Burgstall“ wird heute ein ehemaliger Burgstandort bezeichnet, von dem nur noch geringe Überreste wie Erdwälle oder Gräben im Gelände sichtbar sind. Der Burgstall Eggenthal ist in unmittelbarer Nachbarschaft der Marien-Seelenkapelle, dem Wahrzeichen der Gemeinde, und des ehemaligen Pestfriedhofs zu finden.
Im Mittelalter thronte die Burg der Herren von Eggenthal markant auf dem Hügelsporn hoch über dem heutigen Dorf. Von dort bot sich ein weiter Blick über das Tal in Richtung Baisweil und Friesenried. Urkundliche Quellen belegen die Herrschaft der Edelfreien von Eggenthal zwischen etwa 1130 und 1240. Vermutlich in diesem Zeitraum war die Burg von ihnen bewohnt. In den folgenden Jahrhunderten wechselten Burggelände und Ortsherrschaft mehrfach den Besitzer.
Anhand eigener Vermessungen, eines Luftbildes und einer eigens angefertigten Skizze erläuterte Boris Blum, wie der Grundriss der damaligen Burg mit ihrem Vorhof ausgesehen haben könnte. Auf diese Weise erhielt die Zuhörerschaft eine räumliche Vorstellung von dem mittelalterlichen Herrschaftssitz. Die Anlage gehörte dabei wohl eher zu den kleineren Burgen ihrer Zeit.
Im Anschluss nutzte die Gruppe den neuen Weg vom Vorplatz der Kapelle zu den noch heute sichtbaren Überresten der Anlage. Der Pfad wurde erst kürzlich in ehrenamtlicher Arbeit von den Natur- und Gartenfreunden Eggenthal und dem Arbeitskreis Marien-Seelenkapelle angelegt. Dank der vorherigen Erläuterungen gelang es den Teilnehmenden, die einstigen Bauwerke der Burg gedanklich auf die im Gelände erkennbaren Gräben und Geländestrukturen zu übertragen.
Im weiteren Austausch berichtete Boris Blum über das Leben auf einer Burg im Mittelalter. Ein besonders interessantes Detail lieferten dabei gefundene Tonscherbenreste: Sie lassen darauf schließen, dass sich die Bewohner der Burg bereits einen geschlossenen Becherkachelofen leisten konnten.
Heute erinnert ein Gedenkstein an die einstige Burganlage. Für einige Einheimische ist der Ort darüber hinaus mit persönlichen Erinnerungen verbunden; etwa an frühere Jugendstreifzüge zu dem Aussichtspunkt hoch über dem Ort.
Die Führung zeigte eindrucksvoll, wie viel auch dort zu entdecken ist, wo von einer mittelalterlichen Burg auf den ersten Blick kaum noch etwas zu sehen ist. Durch die sachkundige Erläuterung und die gemeinsame Erkundung des Geländes wurde der Burgstall Eggenthal für die Teilnehmenden zu einem lebendigen Stück Heimatgeschichte.



















