Gelungene Kinderuni der Bürgerstiftung: Was Müll auf dem Mond zu suchen hat – und was Kinder darüber wissen sollten

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Kinderuni-Vorlesung der Bürgerstiftung Kaufbeuren erklärt globale Müllprobleme anschaulich und kindgerecht

Seit 1950 wurden weltweit rund 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert – das entspricht etwa dem Gewicht von 822.000 Eiffeltürmen. Mit dieser Masse an Müll stellt sich drängender denn je die Frage: Wohin damit?

Die wenigsten Menschen wollen in direkter Nähe von Müll leben. Deshalb wird Abfall oft aus den Städten hinausgebracht – und landet manchmal an Orten, wo er ganz sicher nicht hingehört: im Meer, in fernen Ländern oder sogar auf dem Mond.

Eine besondere Vorlesung für junge Denker

Am 3. Juli 2025 fand in Augsburg eine besondere Veranstaltung statt: die Kinderuni mit Prof. Dr. Simone M. Müller, Umwelthistorikerin an der Universität Augsburg. Unter dem Titel „Was macht mein Müll auf dem Mond?“ erklärte sie kindgerecht, wie Müll überhaupt an so ungewöhnliche Orte gelangen kann. Möglich wurde die Veranstaltung durch die Organisation von Frau Jehl aus der Bürgerstiftung.

Zu Beginn der Vorlesung stellte Prof. Müller ihren Beruf vor. Ein Kind fasste es treffend zusammen: „Sie arbeiten mit der Geschichte der Umwelt und so.“ Genau das tut sie – sie erforscht, wie das Verhältnis von Mensch, Umwelt und Gesellschaft sich über die Zeit verändert hat. Ein zentrales Thema: unser Umgang mit Abfall.

Was ist eigentlich Müll?

Prof. Müller griff dabei auf ein prägnantes Zitat der Anthropologin Mary Douglas zurück: „Müll ist Materie am falschen Ort.“ Ein Kind interpretierte dies passend: „Man kann es verändern, und dann ist es wieder richtig.“

Tatsächlich lässt sich Müll durch Recycling oft weiterverwenden. Doch die Realität ist komplexer. Drei wesentliche Herausforderungen hob Prof. Müller hervor:

  1. Der Müllberg wächst: Eine Grafik zeigte eindrucksvoll den starken Anstieg des weltweiten Müllaufkommens in den letzten Jahrzehnten.
  2. Müll wird komplexer: Statt organischer Abfälle bestehen heutige Abfälle vermehrt aus synthetischen Materialien und Chemikalien.
  3. Müll ist Definitionssache: Was hier als Abfall gilt, kann in anderen Ländern als wertvoller Rohstoff oder Baustoff verwendet werden.

Ein Blick in die Geschichte: Das Beispiel Philadelphia

Wie kam es dazu, dass Müll über Ländergrenzen hinweg transportiert wird? Ein Schlüsselereignis ist die Müllkrise in Philadelphia im Jahr 1986. Ein Streik der Müllabfuhr sorgte dafür, dass große Mengen Müll nicht mehr entsorgt werden konnten. Die Stadt suchte händeringend nach Lösungen – vergleichbar mit dem Spiel „Reise nach Jerusalem“, bei dem immer ein Platz zu wenig ist. Recycling, neue Deponien – vieles wurde versucht, scheiterte aber. Schließlich entstand die Idee, Müll international zu handeln.

Tatsächlich wurde sogar darüber nachgedacht, Müll zum Mond zu schicken – eine ambitionierte, aber finanziell nicht umsetzbare Idee. Der globale Müllhandel hingegen wurde Realität. Vor allem wohlhabende Länder exportieren seitdem ihren Müll in ärmere Regionen.

Internationale Regeln gegen Müllhandel

Heute sind die Möglichkeiten zum Müll-Export eingeschränkter. Die Basler Konvention von 1992 regelt den grenzüberschreitenden Transport gefährlicher Abfälle. Doch Plastikmüll darf in bestimmten Fällen weiterhin exportiert werden. Ein Kind brachte die Dimensionen auf den Punkt: „Wenn man all den Müll aneinanderreiht, kann man ihn dreimal um die Erde packen.“

Mit Wissen gegen das Müllproblem

Die Vorlesung machte deutlich: Müll ist nicht nur ein technisches Problem, sondern auch ein gesellschaftliches. Durch Wissen und Aufklärung – auch für Kinder – kann ein neues Bewusstsein entstehen.

Die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer der Kinderuni zeigten großes Interesse und stellten viele Fragen. So wurde die letzte Veranstaltung im Kinderuni-Semester 2024/25 zu einem gelungenen und nachdenklich stimmenden Abschluss.

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