Eine französische Schulklasse mit 18 Schüler*innen und ihrer Lehrerin als Dolmetscher erhielt Unterricht zum Thema Fasching, Fastnacht, Karneval.
Am rußigen Freitag um 10.00 Uhr kam es zu einer Schulstunde im Jakob-Brucker-Gymnasium, an der wirklich alles außergewöhnlich war: Eine französische Schulklasse mit 18 Schüler*innen und ihrer Lehrerin als Dolmetscher erhielt Unterricht zum Thema Fasching, Fastnacht, Karneval von einem sehr außergewöhnlichen Lehrer, dem Faschings-Urgestein Güschi Seydel.
Im Rahmen des Schüleraustausches zwischen der französischen Schule aus Athis Mons nahe Paris und dem Jakob-Brucker-Gymnasiums fiel in diesem Jahr der Besuch der Schulklasse aus Frankreich in die Faschingswoche. Nach dem Besuch des Rathaussturms, bei dem sie auch begrüßt wurden, wünschte sich Frau Moriniaux, die verantwortliche Lehrerin der Franzosen, ein Treffen mit einem Vorstand eines Faschingsvereins. Margot Neher, die Lehrerin des JBG, fragte bei Güschi an, der als stellv. Vorstand und Ehrenvorstand von Aufbruch-Umbruch, Senator der Kunstreiter, Zugsprecher von Fasching FLAKE und BSF-Ordensrat über 40 Jahre Erfahrung in Führungspositionen im Fasching sammeln konnte. Der sagte spontan zu und kam so zu seiner allerersten Unterrichtsstunde als „Gymnasiallehrer“.
Güschi, der selbst als Späteinsteiger 1984 zum Fasching gekommen war, erzählte mit Übersetzung durch Frau Moriniaux, wie er den Verein „Aufbruch-Umbruch“ 1985 mitgegründet hat und mit dessen Hilfe dann die Faschingstraditionen in Kaufbeuren wiederbelebt hat. Weiter erläuterte er, dass die Wurzeln des Faschings bis in die Antike zurückgehen, im Mittelalter stark kirchlich geprägt waren und Fasching, Fastnacht, Karneval somit zu den ältesten Kulturgütern zählen, die es zu bewahren und zu schützen gilt. Güschi betonte, dass es für dieses sehr alte Brauchtum und Kulturgut klare Regeln wie z.B. ein striktes Verbot von „Sommerkarneval“ gelten. Die Diskussionen im Stadtrat und die nicht einstimmige Entscheidung zur Vergabe des Kulturpreises der Stadt Kaufbeuren an Aufbruch-Umbruch im Jahr 2003, zeigte, dass es immer wieder Diskussionen gibt, ob denn Fasching als kulturelle Veranstaltung zu verstehen ist.
Weiter stellte er die Organisationsstrukturen der Faschingsvereine in Deutschland vor und dass die lokalen Vereine überwiegend im Regionalverband Bayerisch-Schwäbischer Fastnachtsvereine (BSF) und dessen zentralen Dachverband Bund Deutscher Karneval e.V. (BDK) organisiert sind. Dass der BDK v über 5300 Vereine mit über 2,6 Millionen Mitgliedern und der BSF allein über 150 Vereine mit mehr als 13.000 Mitgliedern vertreten, beeindruckte Schüler und Lehrerinnen gleichermaßen.
Wie sehr die Schüler*innen am Thema „Fasching“ interessiert waren, zeigten die vielen Fragen am Schluss der Stunde sehr deutlich. Auch gibt es sicher nicht viele Schulklassen, die Ihrem Lehrer mit viel Applaus danken und verabschieden. Die Gastklasse und ihre Lehrerinnen bedankten sich mit kleinen Geschenken u.a. von der Université Sorbonne und Margot Neher attestierte Güschi, eine perfekte Lehrerpremiere.
