Wer Waffen sät, wird Flüchtlinge ernten

Jürgen Grässlin spricht im voll besetzten Haus St. Martin über deutsche Waffenexporte

Foto: Michael Rösch

Der Bestsellerautor, Rüstungsgegner und Friedensaktivist Jürgen Grässlin füllte bei seinem Vortrag mit über 100 Menschen das Haus St. Martin.

Eingeladen hatte das Bündnis für Flüchtlinge Kaufbeuren, Ostallgäu und Umgebung in Zusammenarbeit mit  dem Arbeitskreis Asyl und der lokalen Friedensgruppe KiFiAs. Jürgen Grässlin kommt selbst aus der Flüchtlingsarbeit und sieht einen engen Zusammenhang zwischen den deutschen Waffenexporten in Krisengebiete und den Fluchtbewegungen aus eben diesen Gebieten.

Seit 25 Jahre reist er in Kriegs- und Krisengebiete und hat Bücher über die Biografien der Opfer deutscher Rüstungsexporte geschrieben.

Anschaulich untermauert mit Fakten und Zahlen drückte der Referent seine Besorgnis aus, angesichts der steigenden Waffenexporte Deutschlands. Die Bundesrepublik ist derzeit weltweit der drittgrößte Waffenlieferant nach den Vereinigten Staaten und Russland. Entgegen der Versprechen der bisherigen Großen Koalition sind während ihrer Regierungszeit die Rüstungsexportzahlen dramatisch angestiegen. Der Export von Kleinwaffen wurde 2016 sogar um 47 % gesteigert. Durch Gewehre sterben mit Abstand die meisten Menschen (63%). Die Opfer werden in der Sprache der Militärs zynisch als sogenannte „Weichziele“ bezeichnet. Laut Jürgen Grässlin erklären die starken Lobbyvertretungen und Abgeordnete mit Aufsichtsratsposten in der Rüstungsindustrie teilweise den traurigen Rekord im deutschen Waffenhandel.

„Mehr als die Hälfte aller Waffenexporte gehen rechtswidrig in Krisen- und Kriegsgebiete“ klagte Grässlin an. Zudem werden viele Waffen in Teilen in Deutschland gefertigt, aber im europäischen Ausland zusammengebaut und weiterverkauft. „Wir Deutschen liefern nicht selten an beide Seiten eines Konflikts die gleichen Waffen, z.B. Israel – Ägypten, Libyen – NATO-Staaten… Dafür gibt es drei gute Gründe: 1. Profit, 2. Profit, 3. Profit.“, so der Rüstungskritiker. Waffen sind im Schnitt 50 Jahre im Einsatz. Sie verbleiben letztlich nicht unbedingt in den Ländern an die wir sie verkaufen. “Waffen wandern. Sie suchen sich ihren Krieg.“

Mit Blick auf Bayern bemerkte der Friedensaktivist zynisch: „München ist die Rüstungshauptstadt Deutschlands, denn an der Gesamtsumme der Rüstungsexporte von 6,8 Mrd. Euro hat Bayern einen Anteil von 32%.“

Jürgen Grässlin verblieb nicht beim Lamentieren. Er ist stets aktiv und fordert die konsequente Einhaltung unseres Kriegswaffenkontrollgesetzes ein. Im Moment hat er 8 Strafanzeigen gegen Rüstungsfirmen gestellt.

Er fordert aber auch die Bürger auf, sich zu solidarisieren für Flüchtlinge, für die Bekämpfung von Fluchtursachen, im Protest gegen Rüstungsexporte. Zudem wirbt er für Geldanlagen bei Banken, die nicht in Waffengeschäfte verwickelt sind.

Der Redner stellte sich noch einer regen Diskussion unter Leitung von Dr. Thomas Melcher vom Bündnis für Flüchtlinge. Sehr überzeugend konnte Grässlin Argumente entkräften, wie man sie immer wieder hört: „Rüstungsindustrie schafft Arbeitsplätze“ oder „Wenn wir nicht die Waffen liefern, dann liefern sie Andere“. Manchmal werden Rüstungsgüter wirklich nicht geliefert, wenn sich Regierungen an klare Boykott-Vereinbarungen halten.

Lang anhaltender Beifall und persönliche Gespräche beim Signieren seiner Bücher beendeten den spannenden Abend.

Nächste Veranstaltung des Bündnisses für Flüchtlinge
Montag, 12. März 20:00 Uhr Matthias-Lauber-Haus:
Dr. Thomas Amberg, evang. Pfarrer und Islamwissenschaftler über
„Das Kloster Deir Mar Musa – christlich-muslimischer Dialog in Syrien“

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