Sehr geehrter Herr Jäkel,
in der AZ vom 11.4.17 ist ein Interview mit Ihnen abgedruckt. Uns ist es ein Anliegen, einige Punkte daraus zu diskutieren:
Zunächst herzlichen Dank für die lobenden Worte über die Zusammenarbeit mit der Aktionsgemeinschaft Kaufbeuren. Auch wir freuen uns über die gute Kooperation und danken herzlich für Ihre Unterstützung. Unser gemeinsames Problem ist, dass wir nur einen kleineren Teil der Innenstadthändler erreichen.
Ihrem Hinweis, die Probleme des Handels seien hausgemacht und Händler hätten versäumt, sich anzupassen, widersprechen wir. Eben weil sich die Geschäfte den Bedürfnissen und dem Einkaufsverhalten der Kunden anpassen, gibt es Veränderungen in der Einzelhandelslandschaft. Tatsache ist, dass inhabergeführte Geschäfte verschwinden und gleichzeitig Filialisten, Großflächenanbieter und der Internethandel wachsen. Diese Entwicklung findet deutschlandweit statt und kann scheinbar nicht aufgehalten werden. Dafür kann dem Handel kein Vorwurf gemacht werden. Die Ausweisung von Verkaufsflächen ist eine politische Entscheidung. Bei stagnierendem Einzelhandelsvolumen muss dies zu Verlusten bei bestehenden Geschäften führen und damit zu Veränderungen in den Innenstädten.
Zum Thema Öffnungszeiten widersprechen wir Ihnen. Wir halten es schlicht für Illusion, einheitliche Zeiten in einer Innenstadt zu erreichen. In einem Einkaufszentrum sind nur Geschäfte bestimmter Sortimente, die sich von Anfang an dem Centermanagement unterwerfen. In einer Innenstadt sind eine Vielzahl unterschiedlichster Geschäfte, Gewerbetreibende, Dienstleister und Einrichtungen, die unterschiedlichste Zielgruppen und Bedürfnisse haben. Selbst sogenannte Kern-Öffnungszeiten scheitern daran, dass viele Läden – berechtigterweise – eine Mittagspause machen. Und wir halten es für kontraproduktiv, wenn dieses Thema immer wieder hochkocht.
Ihr Wunsch nach mehr Gemeinsamkeit der Händler (bzw. aller Innenstadt-Anlieger) ist auch unser Bestreben bei der AK, allerdings sind die Ergebnisse in vielen Fällen ernüchternd. Selbst bei einem Preis von nur 50 Euro für ganzjährige Aktionen beim Baustellenmarketing machen weniger als die Hälfte der Geschäfte mit. Aber wir können niemanden zur Teilnahme zwingen. Und diese Tatsachen immer wieder zu beklagen, hilft nicht weiter. Im Gegenteil: viele Betriebe sind gut aufgestellt und tun damit schon sehr viel für die Attraktivität der Stadt. Auch viele sogenannte Trittbrettfahrer sind erfolgreich und leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Anziehungskraft einer Einkaufsstadt.
Sie weisen zu Recht auf die vielen Leistungen von KFTS hin, die Leistungen von AK und Stadtverwaltung sollten da aber auch nicht fehlen. Die Aktionsgemeinschaft ist seit Jahrzehnten die gemeinsame Initiative der Kaufbeurer Altstadt-Händler und bündelt deren Interessen auch über die vielen öffentlichen Aktionen hinaus. Dass auch Nicht-Mitglieder unsere Leistungen gerne in Anspruch nehmen, bestätigt uns in unserer Arbeit. Die Stadt Kaufbeuren bietet mit ihrem Geoportal hervorragende Informationen und ein beispielhaftes Leerstandsmanagement.
Gerne werden Missstände beklagt, anstatt Chancen der Veränderung beleuchtet. Es hilft nicht weiter, Vorwürfe – in welche Richtung auch immer – zu machen und mehrfach gescheiterte Lösungsvorschläge immer wieder auf den Tisch zu bringen. Veränderungen gab es immer und wird es immer geben.
Unsere uneingeschränkte Unterstützung haben Sie mit Ihrer Forderung nach einer guten Anbindung des Forettle an die Altstadt. Wir haben mehrfach an dieses Versprechen von OB Stefan Bosse erinnert. Wir wünschen uns, dass auch Sie dies an Stadtverwaltung und Stadtrat mit Ihren Möglichkeiten herantragen.
Sie warten auf ein Zeichen der Geschäftsleute. Gerne: wir versuchen derzeit erfolglos, die Weihnachtsbeleuchtung – eine absolut gelungene Gemeinschaftsaktion von AK, Anlieger verschiedener Straßenzüge und der Stadt – in andere Hände zu legen. Im Ehrenamt und bei knappen Kassen wird es immer schwerer, diese Aufgabe zu stemmen. Deshalb bitten wir Sie, mit uns nach neuen Lösungen zu suchen.
In dem Ziel, die Innenstadt zu erhalten und weiter zu entwickeln sind wir uns – so denken wir – absolut einig. Insoweit freuen wir uns auf eine weitere fruchtbare Zusammenarbeit und
verbleiben
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Geyrhalter
Im Namen der Vorstandschaft der Aktionsgemeinschaft Kaufbeuren
Zur Ergänzung und Erläuterung dürfen wir (die Aktionsgemeinschaft: Anmerkung der Redaktion) folgende Punkte anmerken:
Zur Einschätzung der Auswirkung von Großflächenanbietern sei angemerkt:
Die Veränderungen in der Innenstadt sollten als Chance für neue Entwicklungen betrachtet werden. Für verschiedene Leerstände gibt es bereits Nachfolgenutzungen. Wenn ein Investor eine Immobilie übernimmt, bedeutet dies neues Leben in oft langjährigen Leerständen. Wenn jeder einzelne sein Geschäft erfolgreich führt, ist viel für den gemeinsamen Erfolg getan. Budgets für – unbestritten wichtige – gemeinsame Aktivitäten werden immer begrenzt bleiben. Über höhere Sondernutzungsgebühren könnten – bei entsprechendem politischen Willen – auch die sogenannten Trittbrettfahrer stärker an Gemeinschaftsaktionen beteiligt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Geyrhalter
Im Namen der Vorstandschaft der Aktionsgemeinschaft Kaufbeuren
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