Quelle: KJF Kinder- und Jugendhilfe Kaufbeuren-Ostallgäu

Ein besonderes Zuhause für besondere Kinder

KJF Kinder- und Jugendhilfe Kaufbeuren-Ostallgäu sucht Bewerber*innen für das Projekt „Intensivpädagogische Pflegefamilien“

Bildquelle: KJF Kinder- und Jugendhilfe Kaufbeuren -Ostallgäu
Bildquelle: KJF Kinder- und Jugendhilfe Kaufbeuren -Ostallgäu

Unter dem Motto „Ein besonderes Zuhause für besondere Kinder“ wirbt die KJF Kinder- und Jugendhilfe Kaufbeuren-Ostallgäu (Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e.V.) nun wieder interessierte Fachkräfte für ein ganz besonderes Jugendhilfeangebot in der Region. Gesucht werden hierfür Pflegeeltern, bei denen mindestens ein Elternteil eine professionelle Qualifikation in einem sozialen, pädagogischen oder psychologischen Beruf hat.

Die sogenannten „Intensivpädagogischen Pflegefamilien“ sollen Kindern, die stark belastende Bedingungen in ihren Herkunftsfamilien erfahren haben und/oder erhebliche Entwicklungsauffälligkeiten zeigen, ein Aufwachsen in familiären Strukturen mit der dort spezifischen Bindungsqualität ermöglichen. Das Pflegeverhältnis ist in der Regel auf Dauer angelegt.

Was müssen Intensivpädagogische Pflegeeltern als Voraussetzung mitbringen?

Außer der professionellen Qualifikation mindestens eines Partners sollten Interessenten die Bereitschaft zur Kooperation mit dem Jugendamt Kaufbeuren und dem Fachdienst der KJF, eine offene Grundhaltung zur Herkunftsfamilie des Kindes und eine gewisse körperliche und psychische Belastbarkeit mitbringen. Auch eine gesunde Portion Gelassenheit, Geduld, Einfühlungsvermögen und Humor sind hilfreich. Die Aufnahme eines Pflegekindes mit besonderer Entwicklungsbeeinträchtigung muss mit der persönlichen Lebens- und Familiensituation vereinbar sein. Einzelpersonen, Paare und Familien sind gleichermaßen willkommen.

Um welche Kinder geht es?

Nicht alle Eltern können ihren Kindern ein liebevolles und geborgenes Zuhause bieten und ihnen die Bindungsangebote machen, die Kinder brauchen, um sich sicher und angenommen zu fühlen und sich gut entwickeln zu können. Stattdessen erleben manche Kinder Vernachlässigung, Gewalt, Instabilität und Unsicherheit in ihren Herkunftsfamilien. Ein Verbleib der Kinder bei ihren leiblichen Eltern ist dann nicht mehr möglich.

So wie bei Mariam: Die Vierjährige wurde vor einem halben Jahr durch das Jugendamt in einer Pflegefamilie untergebracht. Ihre Mutter litt seit Jahren an einer schweren psychischen Erkrankung und konnte ihre Tochter zuletzt nicht mehr ausreichend versorgen. Mariam hat Schwierigkeiten im Kontakt mit anderen Kindern, es kommt häufig zu Konflikten. Sie ist stark entwicklungsverzögert und benötigt noch in vielen Alltagssituationen die Unterstützung ihrer Bezugspersonen. Ihre Stimmung schwankt häufig zwischen aggressiven Wutanfällen und verzweifeltem Weinen. Erwachsenen vertraut sie nicht wirklich, sie scheint innerlich immer etwas auf Distanz zu bleiben.

Kinder, die in Intensivpädagogischen Pflegefamilien Aufnahme finden sollen, stammen meist aus hoch belasteten Familiensystemen und weisen in aller Regel unterschiedliche Formen und Ausprägungen einer Traumatisierung sowie einer Bindungsstörung auf. Diese haben diverse Auswirkungen auf das Erleben, Verhalten und insbesondere die Beziehungsgestaltung der Kinder und führen zu charakteristischen Auffälligkeiten und Schwierigkeiten im Zusammenleben mit dem Kind und in der Erziehung. So können Intensivpädagogische Pflegefamilien verstärkt mit Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensauffälligkeiten, aggressiven und selbst- bzw. fremdverletzenden Handlungen, Distanzlosigkeit oder auch Schulproblemen, Essstörungen oder psychosomatischen Symptomen der Kinder konfrontiert sein.

Vor welchen Herausforderungen stehen Intensivpädagogische Pflegefamilien bei Aufnahme eines Pflegekindes?

Intensivpädagogische Pflegeeltern stehen vor der Herausforderung, das Pflegekind im alltäglichen Zusammenleben mit seinen Widersprüchlichkeiten und Unsicherheiten, seiner Geschichte und seinen Möglichkeiten anzunehmen und seine Entwicklungsprozesse zu fördern. Die Verhaltensweisen der Kinder als „Überlebensstrategien“ zu erkennen und zu verstehen sowie adäquat darauf zu reagieren ist im Alltag häufig keine leichte Aufgabe. Traumatisierte und bindungsgestörte Kinder benötigen häufig viel Zeit, um sich auf eine neue Beziehung einlassen zu können. Hier ein beständiges, verlässliches Beziehungs- und Bindungsangebot aufrechtzuerhalten ohne den Anspruch, dass dieses durch das Kind zunächst erwidert werden kann, stellt für Pflegepersonen kontinuierlich eine ganz besondere persönliche und emotionale Herausforderung dar.

Zudem müssen die besonderen Bedürfnisse des Kindes mit den eigenen familialen Beziehungen und Abläufen vereinbart werden. Neben dem Umgang mit dem Kind stellt häufig auch das weitere Umfeld des Kindes mit seinem Netzwerk von Ärzten, Therapeuten, Schule, etc. große Anforderungen an die eigenen zeitlichen und kräftemäßigen Ressourcen. Des Weiteren finden in vielen Fällen (begleitete) Umgangskontakte zur Herkunftsfamilie statt, die von der Pflegefamilie durch Bringen und Holen sowie die emotionale Vor- und Nachbereitung des Pflegekindes unterstützt werden müssen.

Eine weitere Herausforderung für die Pflegeeltern besteht in der Gratwanderung zwischen der Rolle als Fachkraft, die zu einer professionellen Herangehensweise und Reflexion in der Lage ist, und der Rolle als Pflegemutter bzw. –vater, die/der sich dem Kind als emotionale Bindungsperson zur Verfügung stellt.

Weshalb Intensivpädagogische Pflegefamilien – und was unterscheidet sie von anderen Pflegefamilien?

Kinder wie Mariam benötigen vor allem Geborgenheit, Verständnis, Geduld, ein verlässliches und kontinuierliches Bindungsangebot und viel Zeit. Das Erleben und Verhalten dieser Kinder stellt Pflegefamilien jedoch häufig vor große Herausforderungen und führt nicht selten zu einer vorzeitigen Beendigung des Pflegeverhältnisses, was für die Kinder einen weiteren Bindungsabbruch darstellt und sich meist ungünstig auf ihre weitere Entwicklung auswirkt. Gleichzeitig stellt eine Heimgruppe oft kein geeignetes Setting für diese Kinder dar, da gerade Kinder, die eine Vielzahl von Bindungsabbrüchen, Verwahrlosung, Gewalt oder Ablehnung erfahren haben, häufig deutliche Schwierigkeiten im Hinblick auf Bindungs- und Gruppenfähigkeit aufweisen.

Die familialen Strukturen einer Pflegefamilie mit ihrem individueller gestaltbaren Regelrahmen und dem intensiven, verlässlichen und zugleich überschaubaren alltäglichen Beziehungsangebot bieten hingegen gerade auch diesen Kindern die Chance, Geborgenheit und Sicherheit zu erfahren und so eigene positive Beziehungsmuster zu entwickeln.

Um dem erhöhten Bedarf „besonders entwicklungsbeeinträchtigter Kinder und Jugendlicher“ (§33 SGB VIII) zu begegnen und auch diesen Kindern das Aufwachsen in einem stabilen familiären Umfeld zu ermöglichen, wurde in Kooperation mit dem Jugendamt Kaufbeuren das Projekt „Intensivpädagogische Pflegefamilien“ entwickelt. Im Rahmen dieses Projekts tätige Pflegeeltern zeichnen sich durch eine professionelle, fachlich fundierte Herangehensweise und Reflexionsfähigkeit sowie eine besondere emotionale Belastbarkeit aus. Intensivpädagogische Pflegefamilien unterscheiden sich von anderen Pflegefamilien zudem durch die ihnen zur Verfügung stehende deutlich intensivere fachliche Beratung und Begleitung durch den Fachdienst der KJF Kinder- und Jugendhilfe.

Welche Unterstützung erhalten Intensivpädagogische Pflegefamilien?

Die Intensivpädagogischen Pflegefamilien werden zunächst im Auftrag und in enger Kooperation mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Kaufbeuren angeworben und mittels mehrerer Gespräche und Hausbesuche hinsichtlich ihrer Entscheidung beraten sowie auf ihre Eignung überprüft. Im Anschluss daran erfolgt eine spezifische Qualifizierung der Pflegeeltern, um sie für ihre neue Aufgabe bestmöglich vorzubereiten. Bei einer Belegung wird die Intensivpädagogische Pflegefamilie sowohl während der Vermittlungs- und Anbahnungsphase, als auch nach Aufnahme eines Kindes kontinuierlich und individuell durch den Fachdienst beraten und begleitet. Einzeltermine in der Familie bzw. mit dem Kind, Unterstützung in Krisen, Beratung und Begleitung bei Umgangskontakten zwischen Kind und leiblichen Eltern sowie Gruppenberatung und Fortbildung sind hier entscheidende Aspekte für eine erfolgreiche und auch persönlich zufriedenstellende Arbeit der Fachkräfte.

Intensivpädagogische Pflegefamilien leisten professionelle Arbeit im eigenen familialen Kontext. Entsprechend dieser Anforderungen bieten erhöhte Pflegegeldleistungen des Jugendamtes für den besonderen erzieherischen Aufwand eine Grundlage, um Fachkräften eine Übernahme dieser Aufgabe und professionellen Arbeit im familiären Umfeld zu ermöglichen.

Interessierte Fachkräfte erhalten nähere Informationen zu diesem Angebot und Konzept bei Monika Kaspar, Fachdienst Intensivpädagogische Pflegefamilien, Tel. 08341 90 23 18, kasparm@kjf-kjh.de sowie bei Andrea Serwuschok, Bereichsleitung des Sozialpädagogischen Fachdiensts Kaufbeuren-Ostallgäu, Tel. 08341 90 23 17, serwuschoka@kjf-kjh.de

 

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