Abschied vom Mythos – Augenblicke am Berliner Platz Teil 5

Manfred Kraus über die altehrwürdige Eishalle am Berliner Platz

Werbeaktion für neue Fördermitglieder, Foto: Marketingagentur Tenambergen
Foto: Manfred Kraus

Stadion. Talentschmiede. Hexenkessel. Eiskeller. Sehnsuchtsort. Herzensangelegenheit. Kult. Heimat. Mythos. Berliner Platz.

Ehe wir gemeinsam in ihre letzte Spielzeit gehen, sammeln wir persönliche Lieblingsaugenblicke aus fast einem halben Jahrhundert Eishalle am Berliner Platz. Heute kommen Karl-Heinz Kielhorn, Gesellschafter der ESVK Spielbetriebsgesellschaft mbH aus Kaufbeuren, und Erwin Sontheimer aus Dirlewang zu Wort.

“Ich habe am Berliner Platz schon allerhand erlebt. Ganz besonders eindringlich sind meine Erinnerungen aber an 1988. Das kann nicht überraschen, denn ich verbinde mit diesem Jahr nicht nur meine Eishockeypremiere in Kaufbeuren. Vielmehr erlebte ich damals überhaupt mein allererstes Livespiel in einem Stadion. Im September hatte ich an der Spittelmühlkreuzung meinen ersten McDonald’s aufgemacht und kaum dass ich das Restaurant eröffnet hatte, sprach man mich auch schon auf ein Engagement als Sponsor an. Seitdem ist weder ein Jahr ohne Sponsoring noch ein Jahr ohne Eishockey in Kaufbeuren für mich vergangen und der ESVK ist mir natürlich längst ans Herz gewachsen.

Zu Beginn meiner Eishockeyleidenschaft leistete ich mir Stehplatzkarten, um den Heimspielen am Berliner Platz beizuwohnen. Schon bald ahnte ich, welche Emotionen das Eishockey in Kaufbeuren weckt und welchen Stellenwert es im Allgäu besitzt. Ich spürte die Kraft, mit der dieser schnelle Mannschaftssport die Menschen bewegt. Kurz vor Spielende musste ich allerdings die Halle eiligen Schrittes wieder verlassen, um rechtzeitig in meinem Betrieb zu sein. Schließlich war nach dem Eishockey ein riesiger Gästeansturm zu bewältigen. Bis eine Stunde nach Spielschluss ging es zumeist rund.

Rund ging es aber auch am Berliner Platz. In Erinnerung ist mir ganz besonders ein Spiel gegen Hedos München aus der dramatischen Relegationsrunde zwischen der ersten und zweiten Bundesliga geblieben. Die Stimmung war aufgeheizt, die Spannung knisternd, die Halle brechend voll. Als Münchner Stehplatzbesucher die Sitzränge stürmten und sich den Menschen einfach in die Sicht stellten, war Feuer unterm Dach, und als der überragende Kraig Nienhuis den ESVK zu einem mitreißenden 6:2 führte, wackelten die Wände. Zwar war damals die Zeit der ganz heißen Achtziger wohl gerade vorüber, aber nicht nur an jenem aufregenden Abend war in der Kaufbeurer Eishalle mächtig etwas los. So kam ich zum Berliner Platz, der mich nie mehr losgelassen hat.” (Karl-Heinz Kielhorn, 65, Kaufbeuren)

“Der ESV Kaufbeuren hat eine Vielzahl großer Spieler hervorgebracht. Didi Hegen aber war genial. Sein Name steht für die rauschenden Eishockeyfeste der goldenen Achtziger, doch möchte ich nicht von seinen fünf Olympischen Spielen, von seinen dreizehn Weltmeisterschaften, von den Turnieren um den Iswestija Pokal und den Canada Cup, von seinen zwanzig Jahren in der Bundesliga und in der DEL sprechen.

Meine Lieblingszeiten sind Didis Jahre im Nachwuchs des ESVK, als man von Anfang an spürte, dass sich da ein ganz Großer auf den Weg machte. In der zweiten Hälfte der Siebziger war das. Ich bin damals oft nach Kaufbeuren gefahren, um ihn am Berliner Platz bei den Junioren zu erleben. Natürlich ragten da auch noch andere tolle Spieler heraus. Beispielsweise Rainer Lutz in der Abwehr oder Robert Hammerle, mit dem er blendend harmonierte, im Angriff. Didi aber stach am kräftigsten hervor. Seine elegante Scheibenführung, seine überragende Stocktechnik und sein läuferisches Talent waren einzigartig. Und er schoss damals schon so scharf und platziert, dass den Torhütern Hören und Sehen verging. Didi hatte den Kopf immer oben. Er beobachtete nicht die Scheibe, sondern das Spiel. “Hegen aufs Eis”, rief der Juniorentrainer immerzu, wenn es eng wurde, und dann umkurvte Didi seine Gegenspieler, als wären sie Slalomstangen, um die er wie ein Skiläufer herumfuhr. Didi konnte schon in jungen Jahren das Spiel lesen und er besaß einen unvergleichlichen Torinstinkt. Er war so jung und schon so unglaublich gut. Damals kamen viele Zuschauer zu den Junioren und Didi begeisterte sie. Er ließ sie immer wieder staunen. Nicht selten waren um die tausend Leute am Berliner Platz, der in enger Verbindung mit seinem unaufhaltsamen Aufstieg steht. Dort wurde er groß. Mit siebzehn spielte Didi Hegen dann schon in der Ersten. Er schlug sofort voll ein. Zusammen mit Adam Brown und Ken Brown mischte er die zweite Liga auf und mit achtzehn wurde er Torschützenkönig in der Bundesliga. Herrlich waren aber eben auch seine Nachwuchsjahre. Man schaute Didi zu und wusste, dass da etwas Einmaliges geschah und ein Juwel heranreifte. Ein Jahrhundertspieler.” (Erwin Sontheimer, 66, Dirlewang)

Haben auch Sie einen Lieblingsaugenblick rund um den Berliner Platz? Dann setzen Sie sich doch über abm.kraus@googlemail.com per Email mit Manfred Kraus in Verbindung. Wir alle freuen uns auch auf Ihren Augenblick am Berliner Platz.

Text: Manfred Kraus

Abschied vom Mythos – Augenblicke am Berliner Platz Teil 1

Abschied vom Mythos – Augenblicke am Berliner Platz Teil 2

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